Strafe

EU will Vertriebspraktiken von Intel verbieten

Wettbewerbsbehörde will die Marktmacht des Chipherstellers brechen
Von Anja Zimmermann

Die EU plant, die Vertriebspraktiken des weltgrößten Chipherstellers Intel zu verbieten. Faktisch habe sich Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bereits entschieden, berichtet die Financial Times Deutschland (FTD [Link entfernt] ) heute aus Brüssel. Ihre Behörde habe nach jahrelangen Recherchen genug belastende Beweise. Die Kartellwächter wollen damit die Marktmacht des US-Konzerns in Europa brechen. Die offizielle Entscheidung soll im Spätsommer veröffentlicht werden.

Intel müsse damit aufhören, seine Prozessoren mit Rabatten an PC-Hersteller zu vermarkten. Zudem sollen dem Konzern Werbekostenzuschüsse an Händler untersagt werden, sofern Intel dafür Exklusivität im Sortiment verlangt. Die EU wirft dem Konzern vor, seine Marktmacht zu missbrauchen, um Rivalen zu verdrängen. Durch unzulässige Rabattbedingungen und die Androhung von Nachteilen habe der Konzern PC-Hersteller genötigt, auf den Einsatz von Prozessoren anderer Hersteller zu verzichten. Dies ist beispielsweise nach Artikel 82 des EG-Gründungsvertrags verboten.

Neben dem Verbot des bisherigen Vertriebs droht Intel eine Geldbuße von maximal zehn Prozent des Jahresumsatzes; das wären umgerechnet 2,6 Milliarden Euro. Derzeit hat Intel bei PC-Prozessoren einen Weltmarktanteil von fast 80 Prozent. In einem vergleichbaren Fall hatte die EU-Kommission dem Softwarekonzern Microsoft mehrere Strafen auferlegt, die sich inzwischen auf 1,7 Milliarden Euro addieren. Ein Sprecher der EU-Kommission wollte die Informationen nicht kommentieren.