Flatrate-Kündigung

An der Flatrate scheiden sich die Geister

Warum Vieltelefonieren unfair sein kann und was andere Nutzer davon halten
Von Anja Zimmermann
Kommentare (351)
AAA
Teilen

Beim Telefonieren mit der besten Freundin fliegt die Zeit nur so dahin. Schnell sind zwei, drei Stunden vertelefoniert. "Auf die Uhr schauen", denken jetzt Nutzer von Flatrate-Tarifen, "brauchen wir ja weder bei Festnetz-Telefonaten noch beim Surfen". Dass Flatrates nicht immer flat sind und die Anbieter ihre Werbeversprechen oft nicht beim Wort nehmen, haben wir Ihnen bereits erläutert. Wie an anderer Stelle vorgestellt gibt es Flatrate-Tarife von verschiedenen Anbietern, die entweder Gespräche ins Festnetz, in bestimmte Mobilfunknetze oder Datentarife zum Pauschalpreis versprechen. In den vergangenen Wochen sorgten jedoch einige Flatrate-Anbieter wie Arcor, congstar oder die Betreiber der E-Plus-Marke Base, mit spontan verschickten Kündigungen für Unruhe unter den Nutzern.

Arcor zum Beispiel drohte einer Kundin mit Kündigung der Auslandsflat 1, da diese regelmäßig und ausgiebig nach Polen telefonierte. Sie solle ihr Telefonverhalten ändern oder die Flatrate-Option kündigen. Für die Dame kam diese Aufforderung überraschend, da sie sich bewusst für die Auslandsflat 1 entschieden hatte. Nach eigenen Angaben erreichte sie eine Gesprächszeit von rund zwei Stunden täglich. Eine gewerbliche Nutzung, wie Arcor es ihr vorwarf, lag nach eigenen Angaben nicht vor, da die Telefonate dem reinen Privatvergnügen dienten.

Vieltelefonierer rechnen sich für den Anbieter nicht

Der Anbieter aus dem angesprochenen Beispiel, Arcor, hält ein solches Gesprächsaufkommen für unwahrscheinlich: Ein Privatkunde könne gar nicht 50 Stunden oder mehr im Monat allein ins Ausland telefonieren. Man müsse schließlich auch schlafen, eventuell arbeiten oder sonstige Dinge des alltäglichen Lebens verrichten. Des Weiteren telefoniere der Nutzer schließlich auch ins Festnetz und mobil. Doch 50 Stunden im Monat entsprächen, verteilt auf 30 Tage, einer Nutzung von etwas mehr als eineinhalb Stunden täglich, die im Rahmen einer privaten Nutzung durchaus zu vertreten sind.

Diese Nutzer, die regelmäßig und viel zum Flat-Tarif telefonieren, sind den Telekommunikationsanbietern allerdings sprichwörtlich ein Dorn im Auge: Bei ihrer Preis-Kalkulation gehen sie davon aus, dass es vor allem Menschen gibt, die ihre Flatrate nicht übermäßig beanspruchen und sich allein wegen der Kostenübersicht für eine Flatrate entscheiden. Ende der 90er Jahre kamen die ersten Flatrate-Tarife für Telefonieren in allen Lebenslagen
Bild: vodafone
Internet by Call auf den Markt. Dies löste bei den Privatkunden einen wahren Internet-Boom aus, da die (unbegrenzte) Nutzung für sie endlich erschwinglich war. Da die Anbieter damit anscheinend nicht gerechnet hatten, sind die IbC-Flatrate-Tarife größtenteils aus wirtschaftlicher Unrentabilität wieder abgeschafft worden. Denn ganz gleich wie viel Zeit der Kunde im Netz verbrachte, er konnte mit einem monatlichen Festpreis kalkulieren. Der Anbieter hingegen musste jede Minute, die vom Kunden genutzt wurde, zahlen. Dies ist zwar heute im IbC-Bereich immer noch der Fall, doch ist das DSL-Geschäft längst zum Massenmarkt geworden.

Probe-Angebote wie zum Beispiel aktuell von o2, drei Monate Festnetz-Flat vom Handy für insgesamt 15 Euro, ohne weitere Vertragsverpflichtungen, konnten durch diese Mischkalkulation erst möglich werden. An dieser Stelle wird gerne der Vergleich zu All-You-Can-Eat-Angeboten in der Gastronomie herangezogen: Da alle Kunden den gleichen Preis zahlen, finanzieren diejenigen, die weniger essen, die Gäste mit, die das Buffet gleich mehrmals stürmen. Da aber alle gleichermaßen satt werden, hat sich dieses Geschäftsmodell bewährt. Den meisten Umsatz macht der Wirt sowieso mit den Getränken, die nicht im Pauschalangebot enthalten sind. Dementsprechend verhält es sich bei den Telefonflatrates, bei denen Gespräche in andere Netze oder zu Sonderrufnummern extra abgerechnet werden.

1 2 3 letzte Seite
Teilen

Weitere Artikel aus dem Themenmonat "Flatrate"

Weitere Artikel zum Thema "Plötzliche Kündigung der Flatrate"