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Datenklau: Plötzlich ist das Konto leer

Kriminelle spähen EC-Karten-Daten von Baumarkt-Kunden aus
Von ddp / Marie-Anne Winter
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Eigentlich war nur sein Bett kaputt. Deshalb machte sich Marius Johnen an einem Abend vor drei Wochen noch schnell auf den Weg in einen Mainzer Baumarkt. "Ich wollte zwei Holzlatten kaufen und es damit reparieren", erzählt der 19-jährige Publizistikstudent. Zusätzlich zu den Kosten für die Reparatur seines Bettes ist der Student jetzt allerdings auch um weitere 615 Euro ärmer. Johnen ist einer der bislang über 100 Betrugsopfer, deren EC-Karten in einem Max-Bahr-Baumarkt in Mainz von Kriminellen ausgespäht wurden.

Unbekannte Täter lasen die Daten der EC-Karten heimlich aus. Anschließend erfolgten Abbuchungen aus dem Ausland von den Konten der Geschädigten. Die Methode, mit der die Täter vorgingen, wird in Fachkreisen Skimming (abschöpfen) genannt. Dabei bringen die Täter unbemerkt, etwa bei einem Einbruch in das Geschäft, Vorrichtungen an den Kartenlesegeräten an. Die Geheimzahl ermitteln sie vermutlich über eine Kontaktfolie unter den Tasten. Die "abgeschöpften" Daten sendet das manipulierte Gerät direkt an die Täter, die anschließend Kartendubletten anfertigen und damit die Abbuchungen vornehmen.

Bei Marius Johnen waren es drei Mal 200 Euro, um die die Täter ihn erleichterten. Hinzu kamen jeweils fünf Euro Gebühren, da das Geld im Ausland abgebucht wurde. Insgesamt also 615 Euro. "Ganz schön viel Geld für ein repariertes Bett", findet der Student. Er sei erstmal ziemlich erschrocken gewesen, als er die Abbuchungen bemerkte. "Mein Konto war komplett leer." Im Internet erfuhr er dann von dem Betrugsfall und informierte die Bank, um seine Karte sperren zu lassen.

Staatsanwaltschaft und BKA ermitteln

Der Fall, zu dessen Opfern Johnen zählt, beschäftigt mittlerweile die Frankfurter Staatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt. Die Ermittler prüfen einen möglichen Zusammenhang mit einem ähnlichen Vorgang, der sich im November 2007 im nicht weit entfernten hessischen Hofheim (Main-Taunus-Kreis) ereignet hatte. Dort waren Täter in einen Baumarkt eingebrochen und hatten eine Kasse manipuliert. Insgesamt meldeten sich 560 Geschädigte, von deren Konten in Spanien, Italien und Rumänien Abbuchungen vorgenommen wurden. Es entstand ein Gesamtschaden von rund 850 000 Euro.

Wie viele Geschädigte es in Mainz insgesamt sind, kann die Staatsanwaltschaft Frankfurt derzeit noch nicht sagen. Auch der Gesamtbetrag der Abbuchungen ist noch nicht bekannt. "Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen", sagt die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Doris Möller-Scheu. Klar ist nur, dass nur an einer von insgesamt acht Kassen im Baumarkt das Kartenlesegerät manipuliert wurde - und dass die Täter ziemlich professionell vorgingen.

Konto regelmäßig kontrollieren

"Wir waren betroffen, mit welcher kriminellen Energie da zur Tat geschritten wurde", sagt auch der Sprecher der Praktiker-Gruppe, Harald Günter, zu der die Max-Bahr-Baumärkte gehören. Sein Unternehmen werde nun alles tun, damit derartige Manipulationen in Zukunft ausgeschlossen werden könnten. Wie das genau aussehen könnte, will er allerdings nicht verraten.

Dass sich die Verbraucher kaum gegen einen solchen "Skimming-Betrug" wehren können, weiß Sylvia Beckerle, Referentin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz. Sie rät zu einem sinnvollen Einsatz der EC-Karte. "Man muss ja nicht jeden Kleinbetrag damit zahlen." Auch die regelmäßige Kontrolle des Kontos sei wichtig. "Das sind alles kleine Sachen, die eine große Wirkung haben", sagt Beckerle. Die Banken würden bei einem Fall wie in Mainz meist sehr verbraucherfreundlich reagieren und das Geld aus Kulanz erstatten.

Auch Marius Johnen wird sein Geld wohl zurückbekommen. Seine Bank will ihm die 615 Euro in den nächsten Wochen auf sein Konto überweisen. "Für mich persönlich war es also am Ende nicht so schlimm", bilanziert der 19-Jährige. Nur die acht Euro für seine neue EC-Karte muss er bezahlen. Die Karte will er weiter einsetzen - allerdings etwas vorsichtiger, wie er sagt.

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