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E-Plus-Chef Dirks: "Es ist doch egal, was auf den Kisten läuft"

Betriebssystemstreit nebensächlich - wichtig ist das Ergebnis
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Als das Panel begann, sich intensiv mit den verschiedenen Szenarien der Migration von Unternehmensnetzen von Windows XP nach Windows Vista auseinanderzusetzen - etwa bei eh anstehenden Neuanschaffung von Hardware jeweils auch das neue Betriebssystem zu wählen, aber bestehende Arbeitsplätze auf dem alten System zu belassen, oder alternativ in einem "big bang" alle Arbeitsplätze gleichzeitig umzustellen - platzte Thorsten Dirks, Chef des Mobilfunkers E-Plus der Kragen: "Es ist doch egal, was auf den Kisten läuft". Wichtig ist für ihn vielmehr, dass der IT-Chef im Haus eine aktive Beraterrolle einnimmt und auf die Geschäftsmodelle einwirkt. Insbesondere in einem Mobilfunkunternehmen - nach Ansicht von Dirks ist das "eine große IT-Plattform mit einer Luftschnittstelle" - muss er regelmäßig zur Verbesserung der Produktion beitragen. Wenn der IT-Leiter etwa ermöglicht, auch in den allerkleinsten Nischen neue Marken aufzubauen, hilft er damit, neue Umsätze für das Unternehmen zu akquirieren.

Folgerichtig beteiligte sich Dirks auch nicht an der Diskussion, ob der IT-Chef, inzwischen meist als CIO bezeichnet, nun am besten als "Chief Information Officer", "Chief Integration Officer", "Chief Infrastructure Officer" oder gar "Career Is Over" bezeichnet wird. Solche Wortspiele waren dann eher das Metier von Klaus Straub, CIO bei der Audi AG. Unzureichend ist es nach Thorsten Dirks aber, wenn der CIO wie früher vor allem Krisenmanager ist.

Zusammengekommen war der illustre Kreis auf der CeBIT angesichts der Präsentation der Ergebnisse der "IT-Studie 2008", die Droege & Comp. zusammen mit dem Handelsblatt durchgeführt hatte. Deren markantestes Ergebnis: Unternehmen mit überdurchschnittlich guter Rendite wollen ihre IT-Ausgaben dieses Jahr überdurchschnittlich steigern. Ob diese Unternehmen viel in IT investieren, "weil die Kasse voll ist und man es sich leisten kann", oder vielmehr diejenigen Unternehmen, die schon immer viel in IT investieren, nun effizienter aufgestellt sind als die Konkurrenz und folglich hohe Renditen erwirtschaften, wurde nicht abschließend geklärt. Prof. Dieter Kempf, Schatzmeister beim Branchenverband Bitkom und Vorsitzender des Vorstands der DATEV eG, vermutete am Schluss die Wahrheit salomonisch in der Mitte, also ein Zusammenwirken beider Prozesse.

Viel Outsourcing - aber meistens im Inland

Die Studie ergab auch, dass Unternehmen in allen Bereiche der IT, also sowohl Entwicklung und Betrieb von Anwendungen, als auch Entwicklung und Betrieb der Infrastruktur, zunehmend die Aufträge an externe Unternehmen vergeben, also hierfür zu einem immer kleineren Anteil auf eigene Mitarbeiter zurückgreifen. E-Plus, die den Netzbetrieb ausgelagert haben, liegen diesbezüglich also im Trend.

Auf die Frage, wohin die Aufträge vergeben werden, nannten aber die Unternehmen weit überwiegend Anbieter aus dem Inland. Im Durchschnitt gingen nur etwas über 10 Prozent der Aufträge an "near shore"-Länder wie Osteuropa und noch weniger "far shore", also zum Beispiel nach Indien. Der immer wieder geführten Diskussion zum Trotz scheinen die meisten Unternehmen darauf wert zu legen, dass ihre IT von der Nähe aus programmiert und verwaltet wird.

Wenig Mitarbeiter haben mit RFID zu tun

Nur 2 Prozent der Mitarbeiter in den für die Studie befragten Unternehmen haben direkt mit RFID zu tun. Der Einsatz der Funkchips bleibt damit hinter den Erwartungen und dem Hype der letzten Jahre zurück. Auch die Erwartungen, wie viele Mitarbeiter in drei Jahren in den Unternehmen mit RFID zu tun haben werden, gingen bei der 2008er Studie im Vergleich zum Vorjahr zurück.

WLAN konnte seine Bedeutung hingegen ausbauen. Schon 24 Prozent der Mitarbeiter setzen dieses ein, teils nur gelegentlich, teils aber auch als Haupttechnologie zur Anbindung der Desktop-Rechner. Am Arbeitsplatz geht die Tendenz hingegen zum Laptop: Mobilität und geringer Stromverbrauch wurden auch von den Panellisten wiederholt als Vorteile genannt.

IT-Abteilung: Interner Dienstleister

Heinz Kreuzer von der TUI Info Tec sieht die IT-Abteilung der Unternehmen als "internen Dienstleister", der den anderen Abteilungen des Unternehmens zur Verfügung steht. Ein Dienstleister, der nach den Aussagen der Studie zumeist nur durchschnittliche Noten bekommt: In drei Viertel der befragten Unternehmen betrug die Note, die die anderen Mitarbeiter der IT gaben, zwischen 2,0 und 3,0. Nur in einem zehntel der befragten Unternehmen war sie besser, in einem siebtel schlechter.

Joachim Schreiner von Salesforce.com, wollte es sich nicht nehmen lassen, die interne IT von Unternehmen als zu großen Teilen überflüssig zu bezeichnen. Die meisten Dienste könnten die Unternehmen auch "on demand" aus dem World Wide Web beziehen. Die dazu entgegengesetzte Ansicht vertrat - wenig überraschend - Achim Berg von Microsoft Deutschland. Nur wenige, klar definierte Anwendungen würden ins Netz verlagert, der Rest verbleibe im Unternehmen. Unternehmen würden zudem viel Geld ausgeben, um den aktuellen Status Quo ihrer IT zu erhalten, und kaum in neue Dienste und Anwendungen investieren. Der CIO würde damit zum reinen "Deliverer".

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