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"Green IT": Die Stromspar-Trends auf der CeBIT

Wer ökologisch denkt, denkt am Ende auch ökonomisch
Von Björn Brodersen

"Letztlich liegt das Stromsparen in unserem eigenen Interesse", erläutert 1&1-Technikchef Achim Weiss: "Nach den Kosten für Geräte und Infrastruktur ist die Stromrechnung der zweitgrößte Posten beim Betrieb eines Rechenzentrums." Noch scheuen aber viele IT-Verantwortliche gerade in mittelständischen Unternehmen vor den anfänglichen Investitionskosten für energieeffizientere Ausrüstung zurück, auch wenn nach wenigen Jahren die umweltfreundlichere Lösung die preisgünstigere Alternative wäre.

"Die Unternehmen müssen beginnen, die Investitions- und Betriebskosten im Paket zu bewerten", sagt Pfleiderer. Jede eingesparte Kilowattstunde spare dem Unternehmen am Ende rund 1 000 Euro Betriebskosten im Jahr, energieeffizientere Lösungen amortisierten sich so in der Regel nach zwei bis drei Jahren. Es gebe aber immer noch viele IT-Verantwortliche, die nicht mal wüssten, wie hoch der Stromverbrauch des unternehmenseigenen Rechenzentrums sei. Zudem seien die Betrachtungszeiträume der Unternehmen bei Zukunftsplanungen oftmals zu kurz, um die Vorteile von "Green IT" zu erkennen.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung der Firmen, ihre eigenen kleinen Rechenzentren aufzugeben und sich aus Kostengründen einem großen Webhoster anzuvertrauen, sind Sicherheitsbedenken: Schließlich müssten sie dafür ihre Diensthoheit abgeben. Doch auch hier erwartet Strato-Chef Schmidt ein Umdenken bei den mittelständischen Unternehmen. "Daten sind am sichersten in redundanten Rechenzentren. Wie man sein Geld zur Bank bringt, werden die Kunden ihre Daten den Webhostern anvertrauen", sagt er.

Politik muss Bewusstsein beim Verbraucher schaffen

Auch IBM-Mitarbeiter Tauer ist sich sicher, dass mit steigenden Strompreisen und Betriebskosten die Nachfrage nach energieeffizienterer Technologie steigen wird. Die Hersteller sitzen jedenfalls bereits an der Entwicklung energiesparenderer Hard- und Software. Sie haben erkannt, dass sie dadurch nicht nur Geld sparen, sondern auch ihr Image bei den Kunden aufwerten und einen Wettbewerbsvorteil erlangen können. Branchengrößen wie IBM, Hewlett-Packard, Sun, Dell, AMD oder Intel haben sich zu einem "Green Grid" genannten Konsortium zusammengeschlossen, um unter anderem die Entwicklung energieeffizienter Netze, Server und Prozessoren voranzutreiben.

Was allerdings fehlt - da sind sich Hersteller und Betreiber einig - sind ein Bewusstsein der Verbraucher sowie für den Verbraucher verständliche Klassifizierungen oder Labels für umweltfeundlichere Technologie und Anbieter. Strato fordert beispielsweise einheitliche und vergleichbare Messstandards für Rechenzentren. Hier stehe auch die Politik in der Pflicht: "Der Gesetzgeber sollte uns bei der Aufklärung unterstützen, wie Privatverbraucher und Unternehmen umweltbewusste Technologie einsetzen können, worauf zu achten ist. Die Politik muss die Mindestanforderungen für die gesamte Industrie formulieren", sagt etwa Corinna Kammerer von Fujitsu Siemens Computers [Link entfernt] .

Green-IT-Produkte auf der CeBIT 2008

Green PC von Fujitsu Siemens
Fujitsu Siemens
Der CeBIT-Themenschwerpunkt "Green IT" gliedert sich in drei Bereiche: Neben dem Ausstellungsbereich "Green-IT-Village" veröffentlicht die Deutsche Messe erstmals mit dem "Green-IT-Guide" ein Nachschlagewerk zu Fragestellungen und Innovationen im Bereich des Klimaschutzes. Dazu kommt ein Kongressprogramm, in dem Experten aus der ITK-Branche und aus der Wissenschaft Herausforderungen und Lösungsansätze diskutieren.

Neben dem "Arbeitsplatz aus dem Netz" von T-Systems können sich die Messebesucher zum Beispiel auch stromsparende PCs von Fujitsu Siemens (Green PC) und Christman Informationstechnik (Teo-X) ansehen. IBM beleuchtet das Thema "Green Responsibility" von verschiedenen Seiten: Energieerzeugung, Distributionssteuerung und Verbrauchsoptimierung. Mit Hilfe einer thermischen Simulation können sich Kunden zudem darüber informieren, wie sie ihre Rechenzentren energieeffizienter betreiben können. "Green IT" der anderen Art zeigen Sun mit einem virtuellen Schreibtisch in der 3D-Welt sowie Netviewer [Link entfernt] mit der als "Live Presenter" bezeichneten Web-Kommunikation. Mit dieser Anwendung konferiert man im Netz und spart sich so die Umwelt belastende Reisewege. Denn auch das ist "Green IT": Energie sparen durch IT.

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