Schritt

Microsoft will Quellcodes offenlegen

Schritt soll Kritik an Monopolstreben besänftigen
Von AFP / Marie-Anne Winter

Der US-Softwareriese Microsoft will seine Programme leichter zugänglich machen und damit Vorwürfen wegen seiner Quasi-Monopolstellung den Wind aus den Segeln nehmen. Unternehmenschef Steve Ballmer kündigte in einer Telefonpressekonferenz an, die Firma wolle "eine bedeutende Menge" technischer Spezifikationen offenlegen, die vielen ihrer erfolgreichen Programme zugrundliegen. Durch so genannte offene Quellcodes solle die Software leichter zugänglich gemacht werden. Experten sagten in ersten Reaktionen, Microsoft reagiere mit dem Schritt nur auf den Druck, der zum Beispiel durch Verurteilungen in der EU ohnehin entstanden sei.

"Dies sind bedeutende Schritte und Veränderungen dabei, wie wir Informationen über unsere Produkte und Technologien mitteilen", sagte Ballmer. "Unser Ziel sind größere Austauschmöglichkeiten, sowie mehr Gelegenheiten und Auswahl für Kunden und Entwickler in der gesamten Industrie, indem wir unsere Produkte offener machen und mehr Informationen über unsere Technologien preisgeben", fügte Ballmer hinzu. Der Schritt zu mehr Offenheit ist Experten zufolge Zeichen eines Generationswechsels bei dem Software-Giganten, wo die erste, eifersüchtig über intellektuelles Eigentum wachende Generation von jüngeren Fachleuten abgelöst wird.

Die neuen Prinzipien sollten für die meistverkauften Programme der Firma gelten und den Vorschriften der EU gerecht werden, sagte Microsoft-Syndikus Brad Smith während der Telefonkonferenz. "Microsoft unternimmt alle notwendigen Schritte, um sicherzustellen, dass wir dem europäischen Recht voll entsprechen", sagte Smith. Um seinen guten Willen gleich unter Beweis zu stellen, veröffentlichte Microsoft 30 000 Seiten Dokumentation über sein Betriebssystem Windows, das auf 90 Prozent der Computer weltweit genutzt wird.

Die EU-Kommission reagierte verhalten auf die Ankündigung. Sie habe die "Absicht" des Konzerns "zur Kenntnis genommen", die Vereinbarkeit seiner Software mit Konkurrenzprodukten zu verbessern. "Die Ankündigung hat aber nichts damit zu tun, ob Microsoft in der Vergangenenheit gegen das EU-Kartellrecht in diesem Bereich verstoßen hat", fügte die Brüsseler Behörde hinzu. Microsoft war 2004 von der EU zu einer Strafe von 500 Millionen Euro verurteilt worden, weil es seine führende Marktposition unlauter ausgenutzt habe.

Durch offene Quellcodes können Computernutzer Microsoft-Programm für den eigenen Gebrauch umschreiben. Wenn sie die so entstandene Software weitervermarkten wollten, müssten sie allerdings Provision an den Konzern entrichten, sagte Ballmer.