Wettbewerb

Streit um Freischaltung bei DSL-Anschlüssen geht weiter

Bundesnetzagentur verfügt Entschädigungszahlungen
Von dpa / Marie-Anne Winter

Der deutsche Breitbandmarkt wird nach Ansicht der Telekom-Wettbewerber weiter von Engpässen bei der Freischaltung von DSL-Anschlüssen behindert. Die Zahl der Kunden, die auf die Umschaltung ihres Anschlusses durch die Deutsche Telekom warten, liege immer noch bei knapp 100 000, teilte der Branchenverband VATM heute nach einer Anhörung bei der Bundesnetzagentur in Bonn mit. Die Telekom wies die Vorwürfe zurück.

Der Streit zwischen der Telekom und den Konkurrenten dreht sich um die so genannte Teilnehmeranschlussleitung (TAL) - auch "letzte Meile" genannt -, die von der Telekom gestellt wird und den direkten Zugang zum Endkunden darstellt. Aufgrund der hohen Nachfrage nach DSL-Anschlüssen kam es bei der Telekom zu massiven Verzögerungen, was auch mit der bisherigen Regelung zusammenhing.

Auf Druck der Wettbewerber Telefónica und der Vodafone-Tochter Arcor verfügte die Bundesnetzagentur daher, dass die Telekom bis April ihre monatliche freie Kapazität auf 330 000 TAL-Anschlüsse deutlich erhöhen muss. Sollte die Vorgaben ab April nicht erfüllt werden, dann erhalten die betroffenen Konkurrenten von der Telekom knapp vier Euro pro Tag und Anschluss. Im Gegenzug erhält die Telekom eine Entschädigung, sollten die Wettbewerber ihren zuvor beantragten TAL-Bedarf nicht abrufen.

Ungeachtet der Neuregelung sieht der VATM die Telekom-Konkurrenten weiter durch den Marktführer benachteiligt: Trotz anderslautender Beteuerungen könne keine Rede davon sein, dass der Auftragsrückstau nachhaltig abgearbeitet worden sei, sagte Geschäftsführer Jürgen Grützner. "Die Zeit der Appelle und Ankündigungen ist vorbei, jetzt müssen Taten folgen."

Ein Telekom-Sprecher wies die Kritik des VATM zurück. Die Telekom habe bereits vorzeitig das von der Netzagentur geforderte Volumen den Wettbewerbern zur Verfügung gestellt, sagte er. Die Konkurrenten sollten nun den Bestellprozess "in Ordnung bringen" und sich an die Planungsvereinbarungen halten. Die Bundesnetzagentur will nach eigenen Angaben "zeitnah" ihre Einschätzung abgeben, ob die Telekom ihre Wettbewerber bei der TAL-Umschaltung behindere.