Analyse

Studie: Schlechte Sprachqualität bei jedem dritten Handy-Telefonat

Mindestanforderungen der Industrie werden häufig nicht erreicht
Von Björn Brodersen
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Eine international durchgeführte Analyse von Ditech Networks hat ergeben: 39 Prozent aller Mobilfunktelefonate erfüllen hinsichtlich der Sprachqualität nicht die Standards der Industrie (Spezifikation G.107 E-Model der International Telecommunication Union). Vor allem in den Wachstumsmärkten Mittlerer Osten, Indien und Südamerika litten die Handynutzer unter der mangelnden Sprachqualität, hier erfüllen laut Studie 59 Prozent der Handy-Telefonate nicht die minimalen Anforderungen. In den USA sowie in westeuropäischen Ländern seien es immerhin noch 23 Prozent. Laut Ditech Networks, einem amerikanischen Anbieter von netzseitigen Sprachlösungen, stellt schlechte Sprachqualität ein echtes Problem für die Mobilfunkbetreiber dar: Unzufriedene Kunden wechselten bei ungenügender Sprachqualität schnell den Anbieter.

Ditech Networks hat nach eigenen Angaben für die Untersuchung von 630 Millionen Handy-Gespräche von 16 Mobilfunkbetreibern in zwölf Ländern ausgewertet. Dabei wurde die Netzleistung nicht nur draußen gemessen sondern auch innerhalb von Gebäuden. Die Studie kann als PDF-Dokument auf der Website des Unternehmens angefordert [Link entfernt] werden.

Dass ein Unternehmen wie Ditech Notworks auf mangelhafte Sprachqualität hinweist, ist nicht überraschend. Auf dem Mobile World Congress präsentierte die Firma ihre Voice Quality Assurance (VGA) genannte Technologie, mit der Netzbetreiber ausreichende Sprachqualität netzseitig gewährleisten können. Die in die Sprachprozessor-Plattformen von Ditech integrierte VQA-Technologie soll Umgebungsgeräusche und Echo unterdrücken und gleichzeitig eine Reihe von Sprachverbesserungsfunktionen bieten. Einfach ausgedrückt: In entsprechend ausgerüsteten Mobilfunknetzen wird damit die Sprache identifiziert und anderes Spektrum so weit wie möglich eliminiert. Bei einer Vorführung in Barcelona machte sich das durch wesentlich geringere Rausch- und Knistergeräusche bemerkbar, die Sprache kam dabei klarer auf dem Handy an.

Andere Lösungen für bessere Sprachqualität

Ditech Networks verhandelt nach eigener Aussage zurzeit auch mit deutschen Netzbetreibern über eine Implementierung seiner Netzwerktechnologie zur Sprachanalyse und -gewährleisung. Künftig will das Unternehmen auch eine gerätebasierte Lösung für bessere Sprachqualität bieten, vergleichbar etwa mit der Crystal Talk genannten Technologie von Motorola, die in bestimmten Handys zur Verminderung von Störgeräuschen eingesetzt wird.

Bereits vor anderthalb Jahren hatte der deutsche Mobilfunkbetreiber T-Mobile auf der Systems angekündigt, noch in diesem Jahr für deutlich bessere Sprachqualität in seinem Netz zu sorgen. Zusammen mit dem Netzwerkausrüster Ericsson will T-Mobile das Sprachkodierungsverfahren AMR-Wideband (Adaptive Multi-Rate) implmentieren, das Sprache über das Mobilfunknetz in HiFi-Qualität ermöglichen soll. T-Mobile will künftig den neuen unter 3GPP standardisierten Sprachcodec für GSM- und UMTS-Infrastrukturtechnik flächendeckend einsetzen.

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