Jahrbuch

VATM: "Telekom kämpft mit Haken und Ösen"

Verband sieht noch keinen echten Wettbewerb auf deutschem Tk-Markt
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Nach Ansicht des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) ist der Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt auch zehn Jahre nach der Marktöffnung nach wie vor regulierungsbedingt. Diese Regulierung funktioniere allerdings in anderen europäischen Ländern teilweise besser als in Deutschland, erklärte heute VATM-Präsident Gerd Eickers bei der Vorstellung des Jahrbuches "Telekommunikation und Mehrwertdienste in Deutschland 2007/2008" in Berlin. So hätten beispielsweise bei Bitstrom-Zugang oder Standardvertrag zur Teilnehmeranschlussleitung die Entscheidungen der Bundesnetzagentur zu viel Zeit gekostet oder stünden immer noch aus.

"Die Wettbewerber auf dem deutschen Tk-Markt haben zwar in absoluten Zahlen weiter zulegen können. Die Umsatzzuwächse dürfen jedoch nicht den Blick darauf verstellen, dass die Wertschöpfung der alternativen Anbieter sich aufgrund der an die Telekom abzuführenden Vorleistungsentgelte immer noch nur auf knapp 27 Prozent beläuft. In puncto Marktmacht des Incumbent sind wir im Vergleich mit den großen europäischen Industrienationen 2007 kaum vorangekommen", sagte Eickers. Seiner Ansicht nach kämpfe die Deutsche Telekom weiter mit "Haken und Ösen", wie die Beispiele der über 100 000 Kunden, die zum Teil monatelang auf die Umschaltung ihres DSL-Anschlusses zu einem Wettbewerber warteten, und der Einführung "unzulässiger" Bündelprodukte wie Call&Surf zeigten. Zudem versuche die Telekom, den bevorstehenden Netzumbau (VDSL) zum Aufbau einer neuen Monopolstellung zu missbrauchen.

Insgesamt haben nach Eickers Worten jedoch insbesondere die Verbraucher 2007 wieder vom Marktmodell Wettbewerb profitiert: "Bei der Internetnutzung sind die Preise abermals um rund sechs Prozent gesunken, gleichzeitig stand den meisten Verbrauchern eine höhere Bandbreite zur Verfügung. Auch im Mobilfunk lag der Preisindex 2007 um gut zweieinhalb Prozent niedriger als im Vorjahr. Und mit den verbesserten Kundenschutzbestimmungen bei den Mehrwertdiensten wird sich die Qualität des Customer Care in Deutschland weiter verbessern lassen."

Kombi-Modell für europäische Regulierungsmaßnahmen

Verhalten optimistisch für das Jahr 2008 zeigt sich VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner: "Insgesamt gesehen wird sich die positive Wettbewerbsentwicklung auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Dafür ist aber auch im Jahre 10 nach der Marktöffnung eine effiziente Regulierung notwendig." Der VATM-Geschäftsführer wies darauf hin, dass die Schließung der weißen Flecken auf der deutschen Breitband-Karte in diesem Jahr besonderes Gewicht bei der Verbandsarbeit haben werde. Nach dem Ende 2007 gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden vorgelegten Masterplan für eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet stehe in den kommenden Monaten nun die schnelle Sammlung der benötigten Informationen und die konkrete Umsetzung der jeweils geeigneten Lösungen in den Gemeinden an.

Hinsichtlich der Überarbeitung des europäischen Tk-Rechtsrahmens spricht sich der VATM auf der Basis der Erfahrungen aus zehn Jahren Wettbewerb für ein EU-Kombi-Modell aus. "Dieses spricht der Kommission bei den Regulierungsmaßnahmen ein erweitertes Veto-Recht zu und bindet die Erfahrungen der European Regulators Group in Sachen Best Practice mit ein. Im Ergebnis würden damit die nationalen Regulierer gestärkt und Regulierungsentscheidungen beschleunigt", so Grützner abschließend.

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