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Editorial: Spammer wird tatsächlich angeklagt

Aktien-Spam könnte Alan Ralsky zum Verhängnis werden
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Viele IT-Websites berichten derzeit über eine Anklage der USA gegen den mutmaßlichen Spammer Alan Ralsky und zehn Komplizen wegen illegalem Aktienspam. Dabei deckt sich der Täter zunächst günstig mit billigen Aktien eines nicht gerade gut laufenden Unternehmens ein, verbreitet dann per Spam Kaufempfehlungen für diese Papiere, und verkauft bei steigenden Kursen seine Papiere wieder. "pump and dump" wird dieses künstliche Aufblähen der Kurse im englischsprachigen Raum genannt. Die gutgläubigen Käufer der empfohlenen Aktien sind die Geschädigten, dann nach dem Ende der Spamwelle fallen die Kurse zumeist auf das vorherige Niveau zurück.

Neben den eher geringen Strafen für Spamming drohen den Tätern somit auch die deutlich empfindlicheren Strafen für Kursmanipulation. Und so könnten Ralsky und seine Komplizen bis zu 20 Jahren hinter Gittern verbringen.

Für alle Spam-geplagten Internetnutzer und E-Mail-Server-Verwalter klingt das wie eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: Bis jetzt handelt es sich nur um eine Anklage, noch nicht um ein Urteil. Die Täter können sich mit dem ergaunerten Geld mit Sicherheit sehr gute Anwälte leisten, die alles dran setzen werden, die Jury zu verwirren, so dass am Schluss doch ein "nicht schuldig" herauskommt. Zudem sind acht der elf Verdächtigen, darunter auch Ralsky, noch nicht gefasst. Zwar ließ Ralskys Anwalt verkünden, dass er sich derzeit in Europa aufhalte und bald stellen werde. Doch diese Aussage erscheint genauso glaubhaft wie alles andere, was in Spam-E-Mails steht.

An dieser Stelle bleibt also nur eins: Den amerikanischen Behörden viel Glück zu wünschen. Vielleicht schreckt eine drastische Strafe ja doch den einen oder anderen Nachahmer ab.

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