Themenspecial Reise und Roaming Erfahrungswerte

WLAN-Hotspots im Zug: Reisen und Surfen in der Zeitmaschine

Kostenlose WLANs liefern Anfang 2008 Börsenkurse vom März 2007
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"Reisezeit ist Nutzzeit" - mit diesem Slogan bewerben die Deutsche Bahn und T-Mobile ihr Angebot Railnet. Im Rahmen dieses Projektes statten die beiden Unternehmen die Hochgeschwindigkeitszüge ICE mit WLAN-Hotspots aus, die dann per T-Mobile-Mobilfunknetz eine Verbindung zum Internet aufbauen und so Geschäfts- und Privatleuten ohne Datenkarte und Datentarif die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten geben sollen. Offiziell können derzeit Fahrgäste auf den Strecken Dortmund über Düsseldorf und Köln nach Frankfurt/Main Flughafen sowie Frankfurt über Stuttgart nach München in den entsprechend gekennzeichneten Zügen surfen. Dieses Jahr soll die Strecke von Frankfurt nach Hamburg hinzukommen. Veraltete Informationen im Bahn-WLAN

Doch in der Praxis bekommen Nutzer mit WLAN-Endgeräten auch auf anderen Strecken ein WLAN-Signal. So bekamen wir bei einer Fahrt in einem neu umgebauten ICE-1 zwischen Frankfurt und Berlin ein solches Signal mit der Kennung "T-Mobile_ICE". Mit einem aktuellen Laptop mit WLAN-Chipsatz scheiterte ein Einbuch-Versuch, mit anderen mobilen Endgeräten wie dem Nokia E90 Communicator oder dem iPod Touch von Apple allerdings klappte es. Zugangsdaten benötigten wir nicht, der Zugang war kostenfrei. Doch das, was wir zu sehen bekamen, war enttäuschend.

Waren es auf der Hinfahrt immerhin noch Sportinformationen, die "nur" fünf Tage alt waren, so beglückte uns der im ICE installierte Server auf der Rückfahrt mit Börsenkursen vom 27. März vergangenen Jahres. Eine regelrechte Zeitreise bei 250 km/h.

WLAN hätte nicht funktionieren sollen

Das Nokia E90 findet das WLAN-Netz... Auf Nachfrage kann sich der technische Anbieter T-Mobile dieses Phänomen nicht erklären. Die Strecke könne aktuell nicht versorgt werden und eigentlich sollten dort auch die WLAN-ICE dort nicht fahren. Man versuchte es in Bonn mit geänderten Umlaufplänen der Züge zu erklären, konnte aber als Mobilfunkanbieter nicht für das Verkehrsunternehmen Deutsche Bahn sprechen. Wenn ICE auf unversorgten Strecken fahren, sollte jedoch eigentlich das WLAN-Netz ausgeschaltet sein. Es sei aber richtig, dass es ICE gebe, in denen nur ein Server-basiertes WLAN-Angebot verfügbar sei. Dieses sei dann auch kostenlos und werde in den Bahnhöfen aktualisiert. Warum in unserem Fall seit neun Monaten keine Aktualisierung erfolgte, bliebt hingegen unklar.

Unterm Strich bleibt in jedem Fall ein Schmunzeln für die Hightech-Lösung mit Zeitmaschinen-Effekt, durch die dem Kunden wenigstens kein finanzieller Schaden entsteht. Aber trotzdem ist die Freude getrübt, wenn er in einen ICE mit Hotspot-Logo steigt, aber kein Internet-Signal oder nur alte Informationen bekommt. Und ob dieser Kunde den Dienst in einigen Wochen oder Monaten, wenn alles reibungslos laufen mag, nochmals nutzt, mag zumindest bezweifelt werden. Zu den Ausbauplänen allerdings wollte man bei T-Mobile keine Angaben machen und dementierte im Internet kursierende Gerüchte zu weiteren Strecken.

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