unwissend

Editorial: Was ist mein Tarif?

Studie fördert erhebliches Nichtwissen unter Mobilfunkkunden zu Tage

Nicht einmal die Hälfte der deutschen Handynutzer weiß überhaupt, wie viel sie zahlen müssen, wenn sie zum Handy greifen. Das ist das Ergebnis einer vor kurzem von Fonic vorgestellten Studie, über die teltarif berichtete.

Die Konsequenzen der Studie für die Mobilfunk-Discounter: Vielleicht macht es für sie gar nicht so viel Sinn, mit konkreten Preisen zu werben. Insbesondere Fonic selber stellt immer die 9,9 Cent heraus, die in "alle deutschen Netze" berechnet werden. Mindestens die Hälfte der Kunden kann diese Zahlen eh nicht als "günstig" oder "teuer" einordnen.

Die weitere Konsequenz: Transparenz tut not. Zwar sind die meisten Handys heute in der Lage, beliebige Texte oder Bilder zu verschicken oder den Wetterbericht für die nächsten Tage abzurufen. Doch auf die einfache Frage: "Was wird es mich kosten, wenn ich jetzt bei dieser oder jener Nummer anrufe" kennen sie keine Antwort. Ebensowenig gibt es eine standardisierte Methode, die Kosten des letzten Gesprächs rauszufinden. Zwar verwalten praktisch alle Geräte ein Protokoll von (mindestens) der letzten 10 Anrufe, doch stehen da nur Nummern, keine Preise.

Und so wird es Zeit, eine bereits geäußerte Forderung zu wiederholen: In digitalen Netzen muss auch eine digitale Tarifinformation angeboten werden - und zwar kostenlos, auf Wunsch bereits vor dem Gespräch, auf jeden Fall aber während und nach der Verbindung, und das alles rechtlich verbindlich. Handys könnten beispielsweise während eines Gesprächs die Kostenbestandteile anzeigen (Verbindungs- und Minutenentgelt sowie Taktung) und gleichzeitig im Display die konkreten Kosten hochzählen. Nach Ende der Verbindung können die Entgelte im Gesprächsprotokoll gespeichert werden.

Wenn jeder Kunde auf diesem Weg sofort sehen würde, wie teuer bestimmte Anrufe wirklich sind (z.B. Auslandstelefonate, Roaming, Sonderrufnummern usw.), würde der Druck auf die Anbieter steigen, auch solche Verbindungen fair zu bepreisen. Auch Mondpreise im Internet by Call würden schnell der Vergangenheit angehören, wenn eine Pflicht zur Preisanzeige nach der Einwahl existieren würde.

Derzeit gibt es eine solche Informationspflicht nur bei ganz wenigen Diensten, etwa bei Dialern oder beim Roaming. Die Politik müsste also nur aus der Ausnahme die Regel machen, und schon wäre der Kundenschutz deutlich verbessert.

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