Verkauft!

Verkauf des Schmalbandgeschäfts: Tarifunsicherheit bei Faventia

Kunden sollten am 1. Januar vor dem Surfen erst die Tarife prüfen
Von / Anja Zimmermann
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Die Internetprovidermarke Faventia wird verkauft. Dieses ergibt sich aus einer E-Mail, die der Eigentümer von Faventia, die H3 Netservice GmbH, an angemeldete Kunden des Unternehmens geschrieben hat. Den Angaben zufolge übernimmt die Berliner Firma Sugar Telecom GmbH (kurz: SugarCom) ab 1. Januar 2008 den Internetzugangsdienst von Faventia, und wird somit neuer Vertrags- und Ansprechpartner für die Kunden. Leider blieben unsere Versuche, den Pressesprecher von H3 zu diesem Vorgang zu befragen, erfolglos. Man teilte uns mit, dass der Pressesprecher erst im neuen Jahr wieder für Auskünfte zur Verfügung stehen wird. Die Hotline von Faventia erteilte aber die Auskunft, dass von der Umstellung auf den neuen Anbieter all die Kunden betroffen sind, die einen analogen oder ISDN-Zugang von Faventia nutzen.

Diejenigen Faventia-Kunden, die Internet by Call mit Anmeldung nutzen, wurden offensichtlich mit der vorgenannten E-Mail darüber informiert, dass die Übernahme keine Auswirkungen auf die technischen Einstellungen haben wird - und das, obwohl Faventia den Vertrag mit dem Kunden in derselben E-Mail kündigt, um die Übernahme durch den neuen Provider zu ermöglichen: "Wir haben mit dem neuen Betreiber vereinbart, dass für unsere Kunden keine Änderungen an den Einstellungen des PCs erforderlich sind, um weiterhin im Internet zu surfen", heißt es wörtlich in dem Schreiben. Mehrfach wird in dem Kundenschreiben betont, dass sich an den technischen Einstellungen nichts ändern wird und die Homepage www.faventia.de den Kunden weiterhin zur Verfügung steht.

Unklar bleibt in der E-Mail jedoch, welche Preise der neue Provider künftig verrechnen wird. Es heißt, die SugarCom "wird [...] neben den heute bestehenden Tarifen zusätzliche, noch aktuellere Tarife anbieten". Was unter diesen "aktuelleren Tarifen" zu verstehen ist, wird nicht erläutert. Es könnten sowohl höhere als auch niedrigere Preise als bisher sein. Die folgende Frage des Lesers, der die Rundmail von Faventia an uns weiterleitete, erscheint vor diesem Hintergrund durchaus berechtigt: "Wenn ich mich mit meinen Daten ab 01.01.2008 einwähle, bekomme ich dann eine Horror-Rechnung?"

Ein alter Bekannter hinter der SugarCom?

Der Suchbegriff "Sugar Telecom Berlin" führt über die einschlägigen Suchmaschinen auf die Homepage www.sugar-telecom.de [Link entfernt] . Leider finden sich dort nur wenige Angaben, insbesondere die Aufforderung: "Bitte besuchen Sie uns ab dem 01.01.2008". Das ist genau das Übernahmedatum. Auch das Logo "SugarCom" und die Firmenangabe im Impressum "Sugar Telecom GmbH" inklusive dem Firmensitz Berlin lassen vermuten, dass diese Webseite tatsächlich zu der Firma gehört, die Faventia übernimmt. Zudem leitet sugarcom.de auf www.sugar-telecom.de weiter.

Die Überraschung folgt dann beim Abfragen der Registrierungsdaten von sugarcom.de bzw. sugar-telecom.de bei der DeNIC: Domaininhaber ist in beiden Fällen die Paixas GmbH aus München. Dieser gehören auch die Domains, auf die die Internetprovider Comundo und 666net.de registriert sind. 666net.de hatte in den vergangenen Monaten bereits andere Provider übernommen und dann drastische Tarife festgesetzt: Zunächst 24,99 Cent pro Minute, dann ab 06.12. 49,99 Cent pro Minute und ab 19.12. gar 99,99 Cent pro Minute! Hinzu kommt jeweils noch ein Einwahlentgelt von 1,99 Euro pro Verbindungsaufbau. Derzeit steht auf der Seite von 666net.de allerdings "This site is currently unavailable". Zur Fragwürdigkeit dieser hohen Preise gibt es ein eigenes Editorial bei teltarif.de.

Über das Preisgebaren von SugarCom kann zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nur spekuliert werden. Das Fehlen von Preisangaben in der Übernahme-Ankündigung durch Faventia und ebenso auf den Seiten von SugarCom, die Kündigung der angemeldeten Kunden durch Faventia, und schließlich die aufgrund der Registrierungsdaten der Domain zu vermutende Verbindung zu Paixas, die bereits bei 666net.de durch extrem hohe Preise aufgefallen sind, sind aber nicht gerade vertrauensfördernd. Andererseits könnte die derzeitige Nichtverfügbarkeit der Homepage von 666net.de auch auf ein Einlenken des Anbieters hinweisen, vielleicht bedingt durch den zunehmenden Druck durch die aktuelle Diskussion in Fachmedien und Userforen.

Wir empfehlen dennoch allen Faventia-Kunden, ihre Tarife zum Jahreswechsel genauestens zu überprüfen! Dazu kann es hilfreich sein, sich einen zusätzlichen Account anzulegen, mit dem man auch im neuen Jahr zu garantierten Preisen surfen kann, zum Beispiel, um dann die Tarife von SugarCom auf deren neuen Homepage zu prüfen. Geeignete Angebote finden Sie in unserer Tarifabfrage. Bitte prüfen Sie dort die Spalte "garantiert bis" - auch viele Garantien laufen am 31. Dezember 2007 ab.

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