Falle

Verbraucherschutz: Mehr Opfer von vermeintlichen Gratis-Portalen

Betroffene sollen laut Verbraucherzentrale im Schnitt 120 Euro zahlen
Von dpa / Ralf Trautmann
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Unerwartete Folgekosten von vermeintlichen Gratisangeboten treffen nach Einschätzung von Verbraucherschützern immer mehr ahnungslose Surfer und verursacht Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe. "Die Anfragen haben sich seit 2006 verdoppelt. Internet-Abzocke ist das Wort des Jahres in den Verbraucherzentralen", sagte Gabriele Beckers von der Verbraucherzentrale Hessen (VZ) heute in Frankfurt bei der Vorstellung einer Online-Befragung von 6 660 Betroffenen. Menschen aller Schichten und Altersklassen klickten vermeintliche Gratisangebote an und seien überrascht, wenn Rechnungen über im Kleingedruckten versteckte Kosten folgten.

Bundesverbraucherschutz-Staatssekretärin Ursula Heinen (CDU) kündigte an, sich für eine Kennzeichnungspflicht von Kosten im Internet einzusetzen. "In der digitalen Welt tummeln sich mehr und mehr unseriöse Anbieter." Diese könne eine Pflicht, die Kosten für den Nutzer deutlich erkennbar auszuweisen, abschrecken. Die VZ fordert zudem, dass online geschlossene Verträge nur gültig werden dürfen, wenn der Kunde sie mit einer extra E-Mail bestätigt. Bei der anstehenden Umsetzung der EU-Richtlinie zu unfairen Handelspraktiken müssten zudem härtere Sanktionen in das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb aufgenommen werden.

Rund 62 000 Anfragen zu solchen Fällen seien in zehn der 16 Verbraucherzentralen von Januar bis Ende September dieses Jahres gezählt worden, sagte Beckers. Die Online-Umfrage unter den Betroffenen ergab, dass die ahnungslosen Internet-Nutzer durchschnittlich 120 Euro bezahlen sollten. Dafür sei rund der Hälfte ein Abonnement beispielsweise für Hausaufgabenhilfe oder Rezepte untergeschoben worden. Die anderen sollten für eine einmalige Dienstleistung bezahlen, darunter die Online-Ermittlung von Stammbäumen, Musikdownloads oder Berechnungen von Routen und Lebenserwartungen. Etwa ein Viertel der Abgezockten war minderjährig. Beckers berichtete aber auch von ahnungslosen Lehrern, die die vermeintlich kostenlosen Seiten der "Wegelagerer" ihren Schülern empfohlen hätten.

Zwar habe laut Umfrage nur jeder Zehnte die Rechnung bezahlt, die Internetanbieter scheuten sich aber nicht, Inkassobüros und Anwälte einzuschalten. "Allen Anbietern gemeinsam ist, dass eine immense Drohkulisse aufgebaut wird", sagte Anwalt Peter Lassek. Wenn eine Rechnung eintreffe, sei ein dickes Fell zwar gut, Aussitzen aber nicht immer der beste Weg, weil möglicherweise wichtige Einspruchsfristen verstrichen. Opfer von derartigen Angeboten sollten sich daher unbedingt beraten lassen.

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