Testbericht

Test: Erste Erfahrungen mit BILDmobil

Datendienste sind derzeit die größte Schwachstelle
Von Thorsten Neuhetzki /
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Seit heute ist die SIM-Karte des Axel-Springer-Verlags, BILDmobil, an insgesamt 11 000 Verkaufsstellen im Bundesgebiet erhältlich und an der Fernsehwerbung und den Werbe-Plakaten kommt fast niemand vorbei. Der Minutenpreis von 10 Cent in alle deutschen Netze sowie der Datentarif von 35 Cent pro Megabyte mit der Realisierung im Vodafone-Netz machen die Karte tariflich im Vergleich mit anderen Discount-Anbietern sehr interessant. Doch hält BILDmobil, was es verspricht? Wir haben die Karte heute Morgen einem ersten Test unterzogen.

Nach unserem Kauf an einem Kiosk haben wir die Karte in ein bereits vorhandenes Handy eingelegt. Ein Endgerät hätten wir in dem Zeitungsladen nicht kaufen können, dieses ist nur online möglich. Unser Test-Handy zeigte nach dem Einschalten die Netzanzeige "Willkommen" an. Telefonieren war mit der Karte - außer zur Hotline - zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Die Netzanzeige änderte sich nach der Aktivierung in "BILDmobil".

Aktivierung erfolgt sehr schnell

Aktiviert haben wir die Karte über das Internet. Die BILDmobil-Seite war zu diesem Zeitpunkt relativ langsam, eine Aktivierung war jedoch mit einigem Zeitaufwand möglich. Direkt danach waren wir unter unserer neuen 01522-Nummer erreichbar. Im Onlineshop können sich die Kunden derzeit 01520-Nummern aussuchen. Attraktiv sind die Nummern nicht - nach eingängigen Ziffernkombinationen muss man lange suchen.

Nach der Aktivierung konnten wir zwar angerufen werden, abgehende Telefonate waren jedoch aufgrund des vermeintlichen Kontostands von 0 Euro nicht möglich. Erst nach einigen Minuten war das versprochene Startguthaben von 5 Euro auf unserem Guthabenkonto verbucht und die ersten Gespräche konnten geführt werden. Der Minutenpreis liegt - wie versprochen - bei 10 Cent pro Minute.

Alle bedingten Rufumleitungen waren zu diesem Zeitpunkt auf die Mailbox eingerichtet. Bei Nichtannahme eines Gespräches hätte sich diese bereits nach 20 Sekunden gemeldet. Über das Menü des Handys war ein Abschalten dieser Umleitungen bzw. die Umleitung auf eine andere Rufnummer problemlos möglich. Umleitungen zur Mailbox sind kostenfrei, wer seine Gespräche zu anderen Nummern umleitet, zahlt dafür die Kosten, die für das Gespräch selbst entstanden wären - in der Regel also 10 Cent pro Minute.

Konfigurationsdaten kommen nicht automatisch

Anders als das Start-Paket verspricht, kamen die Konfigurations-Einstellungen für die MMS- und GPRS-Nutzung nicht automatisch per SMS bei uns an. Diese haben wir schließlich manuell in unser Handy eingetragen - entsprechend den Angaben, die BILDmobil auf der eigenen Webseite macht. Unsere erste UMTS-Datenverbindung führte uns zum BILDmobil-Portal, das der Springer-Verlag eigens für dieses SIM-Paket gestartet hat. Die Nutzung soll mit der BILDmobil-Karte kostenfrei sein. In der Praxis wurde uns der Zugang zu der Seite mobile-bild.de jedoch mit dem Datenpreis von 35 Cent pro Megabyte im 10-kB-Takt berechnet.

Weiteres Problem in Sachen Datennutzung: Mit dem von BILDmobil genannten Zugangspunkt access.vodafone.de und dem zwangsweise verwendeten Proxy lassen sich nur Dienste aufrufen, die auf Port 80 liegen. Das sind Web- und WAP-Seiten. Sobald wir im Test Dienste wie Instant Messaging, SSH oder E-Mail per POP3 nutzen wollten, versagte die Karte ihren Dienst. Eine Verbindung zu den entsprechenden Servern war schlicht nicht möglich. Einen vollwertigen Internetzugang bietet BILDmobil somit nicht an.

Schon kurz nach Beginn unseres Test machte uns BILDmobil übrigens per SMS darauf aufmerksam, wir sollten unser Guthaben wieder aufladen. Diese SMS wird bei Unterschreiten eines Guthabens von 5 Euro ausgelöst.

Fazit: Telefonie und Surfen top, weitere Datennutzung Flop

Bislang schien es, als hätte BILDmobil mit der neuen SIM-Karte ein Produkt auf den Markt gebracht, das abseits des SMS-Preises von 14 Cent alle anderen Karten in den Schatten stellen könnte. Zwar sind einige E-Plus-Discounter in Sachen Daten-Tarife günstiger, jedoch können BILDmobil-Kunden das qualitativ bessere Vodafone-Netz nutzen. Nach den ersten Tests schmälert sich der Eindruck der neuen Allround-Karte jedoch.

Für Kunden, die BILDmobil neben der Telefonie auch für Datendienste nutzen wollten, ist das Produkt nach aktuellem Stand nicht brauchbar. Die Berechnung des Surfens auf dem BILDmobil-Portal enttäuscht zwar angesichts der großen PR-Kampagne, die der Springer-Verlag für genau dieses Feature fährt, dürfte aber in die Rubrik "Startschwierigkeiten" fallen. Eine Stellungnahme von BILDmobil zu den beiden Problempunkten war zunächst nicht zu erhalten. Inzwischen hat der Konzern jedoch Stellung bezogen. Die Ergebnisse lesen Sie in einer weiteren Meldung.

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