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Go Dolphin: Was steckt hinter der Handy-Software?

Dolphin-Software im Kurz-Test und die Tarife im Überblick
Von Thorsten Neuhetzki /
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Pressemitteilungen, die überschrieben sind mit "Preisrutsch-Trick bei Vodafone", "Handy-Flatrates unter Betrugsverdacht" oder "Roaming: EU-Kommission bald arbeitslos?", Citylight-Plakate, die titeln "Günstiger telefonieren als es Vodafone erlaubt" und großflächige Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen - mit all diesen vollmundigen Ankündigungen und Versprechungen macht ein neuer Anbieter auf sich aufmerksam: Go Dolphin. Dolphin ist nach eigener Darstellung eine Handysoftware, die "für jeden Anruf automatisch die jeweils günstigste Verbindung wählt". Dolphin verspricht dabei mit der Dolphin-Software Optimierungen von bis zu 90 Prozent.

Doch wie gut ist die Dolphin-Software wirklich, was spart der Kunde und wer ist eigentlich der Anbieter, den bislang keiner kannte, der nun aber Werbung ohne Ende schaltet? Zunächst einmal: Go Dolphin wird betrieben von der Kölner Dolphin Telecom. Langjährigen teltarif-Lesern ist dieser Name noch gut bekannt. Dolphin Telecom hat einst in Deutschland ein Bündelfunknetz betrieben, das unter anderem bei der Berliner S-Bahn eingesetzt wird. 2001 ging das Unternehmen in die Insolvenz, 2005 musste dann der Geschäftsbetrieb entgültig eingestellt werden, andere Firmen übernahmen den Netzbetrieb.

Nun ist die Dolphin Telecom wieder da. Allerdings handelt es sich dabei nach eigenem Bekunden nicht um die ehemalige Bündelfunk-Gesellschaft. Man habe lediglich die Namensrechte gekauft, aber es bestehe "keinerlei rechtlicher oder wirtschaftlicher Bezug zur 'alten Konkurs-Dolphin'", heißt es in einer Presseinformation.

Minutenpreise zuzüglich Einwahl zum Server

In unserem Test haben wir die Dolphin-Software sowohl in der Version für Java-Handys als auch in der Smartphone-Variante untersucht. Beide Varianten benötigen grundsätzlich eine GPRS-Verbindung, um den Dolphin-Tarif mit dem bei der Anmeldung angegebenen, eigenen Mobilfunk-Tarif zu vergleichen. Die Software soll also entscheiden, welcher Tarif günstiger ist, und das Gespräch entsprechend routen. In der Smartphone-Variante lässt sich der Aufbau einer Datenverbindung unterbinden, in der Java-Applikation indes nicht. Zwar werden nur wenige Kilobyte übertragen, doch kann dieses bei Anbietern, die ein Tagesnutzungsentgelt berechnen oder im 100-Takt abrechnen sehr schnell sehr teuer werden. Mit einer T-Mobile-Prepaid-Karte etwa kosten 10 Kilobyte 19 Cent, hinzu kommt pro Nutzungstag ein weiteres Entgelt von 9 Cent.

Die Verbindung erfolgt je nach Handytarif und Anrufziel über Callthrough oder per Callback. Wird das Callthrough-Verfahren angewendet, so wählt sich die Dolphin-Software über eine Festnetznummer ein. Dieses Verfahren ist also nur dann praktikabel, wenn der Kunde eine günstige Verbindung ins Festnetz aufbauen kann. Im Callback-Verfahren wird die Verbindung zum eigenen Handy mit 12 Cent pro Minute berechnet.

Hinzu kommen in beiden Fällen die von Dolphin genannten eigentlichen Minutenpreise. Demnach kostet ein Gespräch ins Festnetz 3 Cent pro Minute, eine Verbindung zu einem Handy 14,9 Cent pro Minute und Gespräche ins Ausland sind ab 8,9 Cent pro Minute zu haben. Ein Anruf im Callback-Verfahren zu einem anderen deutschen Handy schlägt also schon mit 26,9 Cent pro Minute zu Buche, nahezu jede Prepaidkarte eines Discounters ist hier deutlich billiger. Im Callthrough-Verfahren, das beispielsweise bei einer Festnetz-Flatrate angewendet wird, fallen dann nur die angegebenen Minutenpreise an. Aber auch hier gibt es etwa im Falle von Anrufen nach Polen oder Russland billigere Anbieter: Blauworld berechnet hier 5 bzw. 8 Cent pro Minute zuzüglich eines einmaligen Verbindungsentgeltes von 15 Cent.

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