Benutzerfreundlichkeit

Der Kampf mit der Technik

Moderne Geräte haben viele tolle Funktionen - aber wie benutzt man sie?
Von dpa / Marie-Anne Winter

Oft trügt der Schein: Die vielen neuen, auf Hochglanz polierten und in edlem Ambiente ausgestellten Geräte auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin gezeigten Geräte machen Lust, sie direkt im nächsten Laden zu erwerben. Die Chance, einen Fehlkauf zu landen, ist dabei jedoch nicht gering. Gerade beim ersten Kauf eines Produktes von einem bestimmten Markenhersteller achteten die Kunden nur selten darauf, wie gut es sich bedienen lässt, erklärte Tim Bosenick, Geschäftsführer der Firma Sirvaluse [Link entfernt] , heute in einem Gespräch mit dem dpa-Themendienst.

Sirvaluse testet die Bedienbarkeit, die sogenannte Usability, von technischen Produkten - das können zum Beispiel Fernseher sein oder Websites. Zu den Kunden gehören unter anderem Panasonic, Bosch, Telekom und Audi. "Wir gucken Testpersonen bei der Benutzung zu", sagt Bosenick. Soziologen, Psychologen und Ingenieure sollen dann herausfinden, welche Erfahrungen die Tester mit dem jeweiligen Produkt machen. Die Testpersonen sind sozusagen Otto-Normal-Verbraucher. "Wir selbst sind ja viel zu expertig", sagt Bosenick. "Die Nutzer überraschen uns dabei immer wieder."

Nur 2 von 10 Benutzern kamen auf Anhieb klar

Oder eben die Produkte: Zum Beispiel hat Sirvaluse einen sogenannten Out-of-the-Box-Test mit einem DVD-Rekorder gemacht - zehn Personen bekamen so ein Gerät, noch verpackt in einem Karton, hingestellt. Die Aufgabe bestand darin, das Gerät anzuschließen und so zu programmieren, dass der Tatort am Sonntag aufgenommen wird. "Nur zwei von zehn Nutzern haben das geschafft", sagt Bosenick. Ein schlechtes Zeugnis für den DVD-Rekorder.

"Viele Unternehmen haben den Stellenwert von Usability noch nicht erkannt", so Bosenick. Vor allem Hersteller aus Asien würden wenig testen. Ein immer wiederkehrendes Problem sei es für den Verbraucher, Fernseher und Settop-Box zu konfigurieren. Auch Fernbedienungen mit unverständlichen Tastensymbolen kosten viele Nutzer Nerven: "Dann wechseln sie versehentlich das Bildformat und können es nicht wieder rückgängig machen."

Obwohl sie zum Beispiel im Vergleich zu Handys deutlich weniger Funktion aufweisen, können den Benutzern auch manche MP3-Player die Lust an der Technik verleiden. Bosenick zufolge verstehen sie oft nicht, wie sie ihre Musik vom PC auf den Player bekommen. Das hänge oft mit den mitgelieferten Programmen zur Verwaltung der Musiksammlung zusammen. Ein anderes Problem ist die Rechtefrage beziehungsweise der Kopierschutz, der das Abspielen bestimmter Songs auf manchen Playern behindern kann.

So ein Usability-Test kostet rund 10 000 Euro. "Das ist natürlich vom Aufwand abhängig", sagt Bosenick. Typischerweise dauert die Aktion rund drei Wochen. Am Ende bekommt der Kunde eine Liste der Beobachtungen und Empfehlungen. Nicht immer werden diese dann auch umgesetzt. "Wir können dem Kunden ja nicht vorschreiben, wie er sein Produkt gestalten soll."

Artikel aus dem Themenspecial "IFA & Konvergenz"