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o2: "Wir haben eine Discount-Marke in der Schublade" (aktualisiert)

Quartalszahlen sollen sich deutlich verbessert haben

Als das Nachrichtenmagazin Focus kürzlich eine Congstar-Flatrate für 55 Euro in Aussicht stellte, wurden die Tarifmanager der Telekom-Mitbewerber sichtlich nervös. Als Congstar dann doch weitaus teurer startete als gedacht, schaute auch das Management von o2 erleichtert. "Wir haben eine Discount-Marke in der Schublade", bestätigte Lutz Schüler, Leiter Marketing und Sales bei o2, "im Moment sehen wir aber keine Veranlassung, sie hervorzuholen."

Ein generelles Ende der Zwei-Jahres-Bindung bei neu abgeschlossenen Handyverträgen kann es laut Schüler nicht geben, "da wir ja Akquisitionskosten haben." Viele Verträge werden über "indirekte" Vertriebswege, zum Beispiel in Märkten auf der grünen Wiese wie die MediaMarkt-Saturn-Gruppe, oder über freie Händler verkauft. "Der Händler bekommt für seinen Aufwand eine Provision. Ist diese zu niedrig, wird der Händler andere Angebote verkaufen, wenn er dafür mehr Provision bekommt."

Dennoch wird über Modelle ohne lange Laufzeit nachgedacht. "Mit dem Genion-Card S wurde dies ja auch schon umgesetzt. Jedoch nehmen mehr als 50 Prozent der Neukunden bei Vertragsabschluss ein neues Handy dazu", so Schüler weiter, etwa weil das alte "altmodisch" oder defekt ist oder weil das neue Handy neue interessante Funktionen bietet. Bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung müsste entweder das Handy zurückgegeben oder der Restwert sofort bezahlt werden, der Kunde hat aber "gelernt, dass ein Handy 1 Euro kostet."

Die Zahlen des ersten Quartals dieses Jahres sahen bei o2 nicht so gut aus. Die Umsatzeinbußen rührten laut Schüler daher, dass die neuen günstigeren Tarife von allen - auch bestehenden - Kunden gebucht werden konnten, "so schnell konnten wir den Umsatzeinbruch durch das Wachstum bei Neukunden gar nicht kompensieren."

o2-Telefónica-Gruppe verhandelt mit Apple über iPhone

Das sollen die neuen Minutenpakete und die bereits angebotenen Genion-Flatrates, die jetzt um die XL-Variante erweitert wurden, leisten. Wie in München zu hören war, sollen die nächsten Quartalszahlen, die am kommenden Montag vorgestellt werden, ziemlich gut aussehen. Zudem verhandle auch die o2-Telefónica-Gruppe mit dem Apple-Konzern über das iPhone, den konkreten Stand kenne Schüler aber nicht.

Nachdem Schüler bei T-Mobile die Prepaid-Karte Xtra "mit erfunden" und bei der Telekom den Genion Vorläufer "PCS" mit auf die Schiene gesetzt, wechselt er vor neuneinhalb Jahren zu o2 und kennt das Unternehmen fast seit Anfang an. Die geplante Reduktion um 700 Mitarbeiter, entsprechend 15 Prozent der Belegschaft, tut ihm daher offensichtlich weh. Sein Unternehmen sei in den letzten Jahren weitaus stärker als die anderen Anbieter gewachsen. Dabei sei etwas Speck angesetzt worden und gerade im Verwaltungsbereich oder im Marketing sollte einiges umorganisiert und einige "Redundanzen beseitigt" werden. Im heutigen Markt seien aber kürzere Entscheidungswege und eine flexiblere Organisation erforderlich. Auf keinen Fall werde bei den o2-Shops gespart. Im Gegenteil: Der Vertrieb werde weiter ausgebaut. Schülers Marketingstrategie lautet: "Es darf für unsere Kunden keinen Grund geben, o2 nicht zu kaufen."

Die von Kunden nicht immer verstandene Abschaltung des D1-Roamings gehe in Schritten weiter, jedoch bleibe das D1-Roaming insgesamt erhalten, "solange es gebraucht wird", ein konkretes Abschaltdatum gebe es nicht.

Update, Freitag 27. Juli, 12.00 Uhr

Gestern berichteten wir über eine Äußerung eines o2-Sprechers am Rande des Pressegespräches. Unserem Verständnis nach würde man bei o2 vielleicht nochmal über die verunglückte 0180-Preiserhöhung nachdenken, hieß es in der gestrigen Meldung.

Diese Darstellung wurde heute von der o2-Pressestelle ausdrücklich dementiert. Man werde sich die aktuellen und wohl noch kommenden Gerichtsentscheidungen genauer ansehen. Aufgrund von Einzelfällen werde man aber die Preiserhöhung nicht grundsätzlich in Frage stellen.

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