Ausblick

Discounter-Garde begrüßt den Congstar-Start

Wie reagieren Blau, simyo, klarmobil & Co. auf die Telekom-Billigmarke?
Von Björn Brodersen
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Mit Argusaugen haben nicht nur die Mobilfunkfans sondern auch die Anbieter auf dem Markt den Auftakt der Telekom-Billigmarke Congstar verfolgt. Wer jedoch erwartet hat, dass die Konkurrenz jetzt in Aktionismus verfällt und hektisch nach passenden Antworten sucht, sieht sich getäuscht. Vielmehr strahlen die Verantwortlichen der Mobilfunk-Discounter Erleichterung aus, nachdem der Bonner Konzern den Vorhang für die neuen Angebote gelüftet hat, teilweise verspürt man auch etwas Erleichterung in den Kommentaren zum Congstar-Start. simyo-Chef Rolf Hansen, einer der Discounter-Vorreiter in Deutschland, jedenfalls bezeichnet den Neuling als "Adelsschlag" und Bestätigung für das eigene Geschäftsmodell. Alexander Lautz und Olaf Bader, Congstar

Tatenlos zusehen werden die anderen Anbieter der Billigoffensive aus Bonn aber nicht, die Pläne für Neuerungen im eigenen Mobilfunkangebot liegen teilweise schon seit Monaten in den Schubladen. Beispielsweise dürfen die Mobilfunkkunden fest damit rechnen, dass demnächst auch andere Discounter im Netz von T-Mobile Flatrate-Optionen einführen werden, denn die Deutsche Telekom muss ihnen die gleichen Vorleistungskonditionen einräumen wie ihrer eigenen Tochter. Das Tarifmodell von Congstar kopieren wollen sie dabei allerdings nicht. Wir haben uns umgehört, wie die Anbieter auf Congstar reagieren wollen.

Flatrates versus klassische Discount-Angebote

Während Congstar die eigenen Tarife als einfach, preiswert und transparent bewirbt, urteilen die Wettbewerber weniger euphorisch. Vor allem sehen sie das neue Angebot nicht als direkte Konkurrenz. "Der Congstar-Basistarif ist ziemlich unattraktiv und das Gesamtprodukt mit seinem Baukastenprinzip sieht auch nicht ganz einfach für den Kunden aus. Ich sehe es eher als Angriff auf Base oder andere Flatrate-Anbieter an als auf die klassischen Mobilfunk-Discounter", bewertet etwa Blau-Geschäftsführer Martin Ostermayer den Congstar-Tarif. "Für Leute, die weniger telefonieren und dafür möglichst wenig zahlen wollen, gibt es deutlich attraktivere Angebote - auch auf dem T-Mobile-Netz."

Ins gleiche Horn stößt callmobile-Chef Timo Voswinckel: "Congstar ist kein Preisbrecher", sagt er. "Wenn man alle Baukastenteile wählt, zahlt man mit 85 Euro im Monat gerade einmal 5 Euro weniger als für die derzeitigen Flatrate-Angebote. Über diesen Preis denken unsere Kunden sicherlich nur selten nach." Ab dem 13. August wird der Netzbetreiber o2 allerdings eine Flatrate in alle deutschen Festnetz- und Handynetze ab 68 Euro pro Monat anbieten. Und simply-Geschäftsführer Michael Radomski glaubt: "Hätte Congstar nicht die direkte Verbindung zur Telekom, gäbe es wohl deutlich weniger Aufmerksamkeit für dieses Angebot. Die Tarife sind interessant, aber es gibt wesentlich bessere bei anderen Anbietern." Rolf Hansen, simyo

Neben den günstigeren Basispreisen fürs Telefonieren und den SMS-Versand sehen die Konkurrenten ihre eigenen Tarifmodelle auch als einfacher und verständlicher für den Kunden an. "Mit steigender Wahlmöglichkeit steigt auch die Komplexität des Angebots", meint beispielsweise simyo-Chef Hansen. "Ich halte das Angebot nicht für einfach, sondern ganz im Gegenteil für ein sehr vielseitiges und damit auch komplexes Angebot. Woher weiß ich denn als Kunde, was für mich das richtige ist?" Auch Voswinckel glaubt, dass das Congstar-Tarifmodell für den gewöhnlichen Discounter-Kunden nicht einfach zu durchschauen sei: "Generell halte ich solche Netz-Flatrates für problematisch, weil die Kunden in der Regel nicht genau nachvollziehen können, in welche Netze sie wirklich telefonieren", so der callmobile-Geschäftsführer.

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