Vergleich

DSL ohne Festnetz-Anschluss im Preisvergleich

Was haben 1&1, freenet, Tele2 & Co. dem Kunden zu bieten?
Von Björn Brodersen

Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Internetnutzer, die auf den herkömmlichen Telefonanschluss der Deutschen Telekom oder anderen Festnetz-Anbietern verzichten wollen, finden inzwischen eine große Auswahl an entbündelten DSL-Anschlüssen vor. Der Grund dafür liegt in den geringen Margen für die Anbieter ohne eigenes Netz im Resale-DSL-Bereich. Während wir jedoch in unserem bislang letzten Vergleich noch feststellen mussten, dass die monatliche Ersparnis bei reinen DSL-Anbindungen gegenüber den Vollanschlüssen noch vergleichsweise gering ist, so ist jetzt neue Bewegung in den Markt gekommen. Einen entbündelten DSL-Anschluss mit einer Bandbreite von 2 MBit/s im Downstream mit Doppel-Flatrate fürs Internetsurfen und Telefonieren ins deutsche Festnetz gibt es jetzt bereits ab knapp 30 Euro im Monat. Anlass für uns, die aktuellen Angebote der Provider erneut aneinander zu messen.

Tele2 komplett setzt wieder preislichen Maßstab

Erst sagte sich der kundenstarke Provider 1&1 von der Telekom los und präsentierte eigene entbündelte DSL-Anschlüsse, dann senkten freenet und o2 die Preise für ihre Angebote, und schließlich legte vor wenigen Tagen der Düsseldorfer Anbieter Tele2 weitere Details zu seinen reinen DSL-Anschlüsse offen. In preislicher Hinsicht setzt Tele2 erneut Maßstäbe: Das Doppel-Flatrate-Paket mit DSL-2000-Anschluss kostet 29,95 Euro im Monat, mit einem DSL-16000-Anschluss sind es nur 2 Euro pro Monat mehr.

Zum Vergleich: Ein Doppel-Flat-Paket mit entbündeltem 2000er-Anschluss kostet bei freenet 34,95 Euro pro Monat, bei QSC sogar 48,99 Euro. Bei diesen beiden Unternehmen erhält der Kunde allerdings zumindest eine höhere Upstream-Geschwindigkeit, was sich bei mehreren parallel geführten VoIP-Gesprächen und gleichzeitigem Surfen auszahlen kann. Auf gleichem Preisniveau bewegt sich das Surf&Phone-Angebot von 1&1 mit einem monatlichen Grundpreis von 29,99 Euro. Hier liegt die Übertragungsgeschwindigkeit beim Datenversand bei höchstens 192 kBit/s.

Größer wird der Preisvorteil für Tele2-Kunden gegenüber den Angeboten der Konkurrenz bei der schnelleren Anschlussvariante. Strato-Kunden zahlen hier knapp 7 Euro mehr im Monat für ein vergleichbares Paket, Nutzer mit einem reinen DSL-16000-Anschluss von 1&1 oder o2 knapp 8 Euro mehr.

Telefoniert wird über den VoIP-Anschluss

Der monatliche Grundpreis allein sollte jedoch nicht die Wahl des entbündelten Anschlusses bestimmen. Wichtige Auswahlkriterien sind auch die schon angesprochene Upstream-Geschwindigkeit und die Leistungen des VoIP-Anschlusses, schließlich werden die Telefonate nicht mehr über den herkömmlichen Festnetzanschluss sondern über das Internet (VoIP) oder alternativ per Handy geführt. Hier sollte der interessierte Kunde darauf achten, dass ihm vom Anbieter eine echte Ortsnetznummer zugeteilt wird, dass er eventuell gleichzeitig auf mehreren Leitungen telefonieren kann, dass eine Rufnummern-Portierung angeboten wird und dass er günstige Gesprächspreise für Verbindungen in die deutschen Mobilfunknetze oder ins Ausland vorfindet - das Ausweichen auf günstige Call-by-Call-Vorwahlen ist nämlich nicht mehr möglich.

Bei allen Anbietern unseres Vergleichs erhalten die Neukunden mindestens drei geografische Rufnummern, auch bestehende Rufnummern können in der Regel zu dem neuen Anbieter mitgenommen werden. 1&1 bietet dazu beispielsweise noch einen digitalen Anrufbeantworter im Netz und Videotelefonie. Bei Anbietern wie o2 oder Tele2 wird in Verbindung mit der mitgelieferten Hardware jeweils ausreichend Bandbreite für die Sprachdatenübertragung reserviert, um ordentliche Gesprächsqualität zu gewährleisten. Leider gibt es bislang noch keinen anbieterübergreifenden Sprachqualitätstest von unabhängiger Stelle, deshalb empfiehlt es sich, vor der Auftragstellung Berichte von Usern in einschlägigen Foren zu lesen. Der Wert von Prüfsiegeln, wie es der TÜV Saarland beispielsweise freenetKomplett verliehen hat, ist dagegen fraglich.

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