Breitband-Ausbau

Gemeinsamer VDSL-Netzausbau der Telekom-Wettbewerber?

Angesichts hoher Kosten denken die Anbieter über Kooperationen nach
Von Marie-Anne Winter

Derzeit werden sehr unterschiedliche Modelle für eine Kooperation beim Netzausbau diskutiert. Zum einen wird geprüft, ob die Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft sinnvoll sein kann, um darüber einen großflächigen Ausbau finanzieren. Diese Gesellschaft wiederum könnte die Netzkapazität zu gleichen Konditionen an alle beteiligten Wettbewerber weiterverkaufen. Peer Knauer, der Präsident des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko), der vor allem die Telekom-Wettbewerber mit eigenen Netzen vertritt, meint, dass es konkrete Pläne für eine Zusammenarbeit der Wettbewerber beim VDSL-Ausbau noch nicht gebe. Im Einzelfall dürften Kooperationen durchaus sinnvoll.

Als mögliche Beteiligte an einer Zusammenarbeit werden immer wieder die großen Netzbetreiber genannt, die schon heute in den größeren Städten vertreten sind, also Arcor, HanseNet, Versatel oder auch Telefónica und QSC. Auch für große Stadtnetzbetreiber könnten eine Kooperation interesant sein.

Eine andere Möglichkeit der Zusammenarbeit wäre, beim Ausbau der VDSL-Infrastruktur eine geographische Aufteilung vorzunehmen: Ein Wettbewerber könnten dann beispielsweise Berlin und der andere München ausbauen und dafür jeweils die Kosten übernehmen. In der Folge könnten dann jeweils Kapazitäten vor Ort getauscht werden, und beide Beteiligten wären in beiden Städten präsent.

Eine dritte Variante wird derzeit von einigen Stadtnetzbetreibern ins Spiel gebracht: Angesichts der an sich schon hohen Investitionen in den Ausbau bis zu den KVZ könnte man die Häuser auch direkt mit einer Glasfaserleitung anzuschließen und die Telekom völlig außen vor zu lassen. Ein solches FTTH-Projekt betreibt derzeit der Kölner Stadtnetzbetreiber Netcologne. FTTH ist die Abkürzung für "fibre to the home", was nichts anderes als Glasfaser bis ins Haus bedeutet. Ob und wie diese eigene Infrastruktur dann mit Wettbewerbern geteilt werden soll, um die Kosten in Grenzen zu halten, ist noch nicht entschieden.

Schließlich könnten die Wettbewerber auch gemeinsam mit der Telekom den Netzausbau vorantreiben und dann jeweils Kapazitäten tauschen. Diese Variante wird unter anderem auch vom Branchenverband VATM vorgeschlagen. Die Möglichkeit, dass sich die Telekom auf eine solche Lösung einlässt, wird von Marktbeobachtern aber als sehr gering eingeschätzt.

Doch auch bei den Netzbetreibern sind all diese Überlegungen viel mehr aus der Not und der hohen Investitionslast eines eigenen Ausbaus geboren, als aus der Lust am gemeinsamen Groß-Projekt. Als am sinnvollsten wird erscheint vielen eine Lösung, die den Zugriff auf die Telekom-Technik im KVZ ermöglicht - gegen eine entsprechende Nutzungsgebühr, wie sie schon lange bei der Übernahme der letzten Meile üblich ist.

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