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Editorial: Handytarife zum Billigflieger-Prinzip

Nur wer Glück hat, kriegt den Schnäppchenpreis
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Der Provider debitel startet pünktlich im Sommerloch eine Marketingaktion für ein neues Paket von Handytarifen mit dem Namen Crash. Was der gefährlich klingende Name suggerieren soll, liegt auf der Hand: Einen radikalen Preissturz. Und in der Tat ist debitel genau das gelungen: Während die derzeit günstigsten Discounter für Telefonate in Fremdnetze 14 bis 16 Cent pro Minute bzw. 10 Cent pro Minute bei 10 Euro monatlichem Mindestumsatz verrechnen, sind es bei "crash 5" gerade noch 5 Cent. Da kann man auch über einige Nachteile wie die Grundgebühr von 2,95 Euro im Monat, die sechsmonatige Vertragsbindung, den Minutentakt und die Kostenpflicht für Anrufe zur Mailbox hinwegsehen.

Der Haken: Nicht jeder bekommt den günstigen Tarif. Neben den üblichen Hürden - Mindestalter für Vertragsabschluss, Schufa etc. - muss der Kunde noch eine ganz besondere Qualifikation aufweisen: Glück. Denn pro Tag werden über die Webseite des Anbieters nur eine bestimmte Zahl an Starterpaketen für den günstigen Crash 5 verlost. Wer auch nach vielen Versuchen mit der Reload-Taste F5 nur Nieten gezogen hat, muss mit dem teureren "Crash 9" oder "Crash SMS" vorlieb nehmen oder sich bei einem anderen Anbieter einen anderen Tarif suchen.

Zeit wird zeigen, ob Mischkalkulation aufgeht

Damit hält ein Prinzip, wie wir es schon von Billigfliegern kennen, nun auch bei den Mobilfunk-Discountern Einzug: Ein Teil der Sitze, äh, SIM-Karten, wird ganz bewusst unter Preis verkauft, um über die sensationell günstigen Plakatpreise viele Interessenten anzuziehen. Erfahrungsgemäß gehen auch so genügend Sitze zum Regelpreis weg, so dass der Billigflieger dennoch auf seine Kosten kommt.

Ob dieses Prinzip auch für debitels neuen Mobilfunktarif aufgeht, werden hingegen erst die nächsten Monate zeigen. Wer beim Billigflieger ein Billigticket erhascht hat, kann mit diesem ja genau einmal fliegen, nämlich zum vereinbarten Termin. Der Billigtarif von debitel gilt hingegen für alle Telefonate, die der Kunde künftig mit der SIM-Karte führt. Zwar hat debitel ein Limit 3 000 Gesprächsminuten pro Abrechnungszeitraum eingeführt, dieses liegt aber recht hoch. Wird mit allen Crash-5ern ausgiebig telefoniert, mit den Crash-9ern hingegen fast gar nicht, könnte die Mischkalkulation zusammenbrechen. Dafür hat debitel gegenüber den Billigfliegern den Vorteil, dass keine Kosten für leergebliebene Sitzplätze entstehen: Bleibt das Interesse der Kunden an den Crash-9-SIMs oder deren Nutzung hinter den Erwartungen zurück, werden künftig halt weniger Crash-5-SIMs verlost.

Es gibt noch einen wesentlichen Unterschied zu den Billigfliegern: Diese würden nie auf die Idee kommen, einer Marke ausgerechnet den Namen "crash" zu geben!

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