provoziert

Editorial: Halber Angriff

Die neuen DSL-Preise der Telekom

DSL-Nutzer sind das Sorgenkind der Deutschen Telekom: In keinem anderen Segment verliert sie derzeit derartig stark Marktanteile wie in diesem. Grund sind die attraktiven Paketangebote aus Telefon- und DSL-Anschluss und mehr oder weniger zusätzlichen Flatrates (Onlinezugang, Telefonie etc.) der Konkurrenz. So ist es nur folgerichtig, dass die Telekom hier die Preise nochmals senkt.

Weniger schön ist, dass sie im Gegenzug die Laufzeiten auf nun zwei Jahre erhöht. Immerhin kommt ein Konkurrent, der preislich auf einem mit der Telekom vergleichbaren Niveau liegt, mit einer vier-wöchigen Laufzeit und Kündigungsfrist aus, nämlich Hansenet/Alice. Die Telekom wäre gut beraten, zumindest optional für ein paar Euro extra auch kürzere Laufzeiten anzubieten.

Trotz Streik!?

Das eigentlich spannende an dem neuen Angebot der Telekom ist, dass sie es veröffentlicht, obwohl sie aktuell bestreikt wird. Das unüberhörbare Signal an die Gewerkschaft lautet: "Wir können einen Ansturm auf die neuen Produkte auch ohne die Service-Techniker bewältigen, die sich gerade im Ausstand befinden!" Ob diese Aussage aber wirklich stimmt, oder ob hier die Verzweiflung des Managements der Telekom zum Ausdruck kommt, wird erst die Zukunft zeigen.

Für gutes Kalkül und Standvermögen der Telekom spricht aber, dass sich Kundenbeschwerden über Streikfolgen bisher keineswegs in der Redaktion von teltarif.de stapeln. Ebenso wird die Tonwahl von ver.di zunehmend aggressiver. Sind das erste Anzeichen dafür, dass die Gewerkschaften die Standhaftigkeit von "Bulldozer" René Obermann massiv unterschätzt haben? Genügend Rückhalt im Konzern scheint er zu haben, und auch aus der Politik ist die Zahl der Stimmen, die auf ein baldiges Streikende und ein Einlenken der Telekom drängen, derzeit doch sehr überschaubar. Anderseits: Bis die Gewerkschaft aufgibt, werden noch viele, viele Wochen oder gar Monate ins Land gehen.

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