DVB-T

DVB-T aus Österreich auch in Süddeutschland zu empfangen

Sukzessive Digitalumstellung in der Alpenrepublik

In Österreich wird derzeit sukzessive das analoge Antennenfernsehen abgeschaltet und durch die digitale Technologie DVB-T ersetzt. Nachdem im vergangenen Jahr das digitale Antennenfernsehen zunächst über provisorische Kanäle in den Landeshauptstädten auf Sendung ging und die analogen Sender parallel aufgeschaltet blieben, stellt der Senderbetreiber ORS seit Frühjahr 2007 die bisherigen Analog-Kanäle auf Digitalbetrieb um. Mit jeder Umstellung im grenznahen Bereich zu Deutschland erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit einer Empfangbarkeit in Bayern und Schwaben. So können TV-Zuschauer in der Bodenseeregion die Programme ORF 1, ORF 2 und ATV bereits seit März – nach der Umstellung am Sender Pfänder – mit Zimmerantenne empfangen. Mit Dachantenne sind die digitalen Programme – je nach Ortslage - im Allgäu, dem südöstlichen Schwarzwald und Richtung Norden bis zur Schwäbischen Alb zu sehen.

Am 4. Juni wird der Sender Gaisberg, der die Region Salzburg und Umgebung versorgt, umgeschaltet. Auf deutschem Gebiet ist dieser mit Zimmerantenne im Bereich Bad Reichenhall/Freilassing zu empfangen, mit Dachantenne könnte ein Empfang bis nördlich von München, in günstigen Lagen sogar bis Ingolstadt möglich werden. Ebenfalls am 4. Juni wird der Sender Lichtenberg bei Linz auf DVB-T-Betrieb umgestellt. Hiervon könnten Zuschauer in der Region Passau und dem südlichen Bayerischen Wald profitieren.

Ab Juli soll das digitale Antennenfernsehen auch von der Zugspitze auf Sendung gehen. Aufgrund der exponierten Höhe des Standorts wird erwartet, dass Zuschauer in weiteren Teile Oberbayerns, etwa in der Region Garmisch-Partenkirchen mit Zimmer- und in einem Gebiet von der Landesgrenze bis nördlich von Augsburg mit Dachantenne die Signale empfangen können, obwohl vorrangig Richtung Tirol gesendet werden soll. Bereits am 7. Mai wurden die Sendeanlagen Kitzbühler Horn und Patscherkofel auf DVB-T-Betrieb umgestellt. Ein Empfang dieser Sender ist auf deutschem Gebiet allerdings nur in günstigen Lagen des Chiemgaus, im Inntal oder im Gebiet rund um Reit im Winkl möglich.

Ausschreibung für zweiten Multiplex läuft

Noch in diesem Jahr soll ein weiterer DVB-T-Multiplex in Österreich auf Sendung gehen. Aktuell läuft hierfür die Ausschreibung, es sind 32 Bewerbungen für den sogenannten "Mux B" bei der Medienbehörde RTR eingetroffen, wobei 16 Fernsehsender und 16 Radioprogramme Interesse bekundet haben. Da der Mux B nur primär die Landeshauptstädte versorgen soll und die Programme mit geringerer Sendeleistung als bei Mux A ausgestrahlt werden sollen, dürfte sich der Empfang in Deutschland auf die unmittelbare Grenzregion beschränken. Für regionale Sender ist zusätzlich ein Mux C geplant, dessen Kanäle voraussichtlich im kommenden Jahr ausgeschrieben werden sollen.

DVB-H soll zur Fußball-EM eingeführt werden

Ebenfalls steht in Österreich die Einführung des Handy-TV-Regelbetriebs bevor. Ein Empfang von österreichischen Sendern am Mobiltelefon auch in Deutschland wird voraussichtlich nicht möglich werden, da die Programme laut aktuellen Planungen verschlüsselt werden sollen. Kostenlose Fernsehprogramme via DVB-H, wie sie von der im Kanzleramt für Medien zuständigen Ministerin Doris Bures ursprünglich vorgesehen waren, wird es demnach in Österreich nicht geben. Die entsprechende Gesetzesnovelle zum Thema Handy-Fernsehen soll in der kommenden Woche den Ministerrat passieren, berichtet die Tageszeitung Der Standard. Im Herbst soll die Sendeplattform für das mobile TV, der sogenannte MUX D, ausgeschrieben werden. Der Sendestart soll zur Fußball-Europameisterschaft 2008 erfolgen.

Offen ist unter anderem die Frage, wer bestimmen darf, welche Content-Anbieter auf dem MUX D vertreten sein sollen. Gute Chancen hat erneut die Sendetechniktochter des ORF, die ORS, die auch die DVB-T-Sender betreibt. Der geplante Gesetzesentwurf sehe vor, dass die ORS in diesem Fall auch die Anbieter auswählen darf. Kritiker sehen beim ORF einen enormen Marktvorteil gegenüber privaten und ausländischen Sendern. Darüber hinaus müssten ORF-Programme über das so genannte "must-carry";-Prinzip ohnehin in das DVB-H-Netz eingespeist werden.