Regulierung

Neuer TAL-Preis ist fast der alte

Behörde senkt Preis für das Vorleistungsprodukt um 15 Cent netto
Von Björn Brodersen

Die Bundesnetzagentur hat die Entgelte für die Miete der Letzten Meile leicht gesenkt. Künftig müssen die alternativen Netzbetreiber 10,50 Euro netto im Monat statt der bislang geltenden 10,65 Euro für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) zahlen. Mit dem neuen Preis bleibt die Behörde nicht nur knapp unter dem bislang geltenden Preis sondern auch zwischen den Forderungen des ehemaligen Monopolisten und Inhabers der letzten Meile, der Deutschen Telekom, und denen ihrer Wettbewerber. Die Telekom hatte zuvor ein Monatsentgelt von 12,03 Euro netto beantragt, die alternativen Vollanschluss-Anbieter sprachen sich für eine Absenkung auf 9 Euro aus.

Die TAL gilt als "Mutter aller Vorleistungen". Für den Mietpreis dürfen die Telekom-Wettbewerber das Telefonkabel von der Vermittlungsstelle bis zum Kunden nutzen und müssen keine eigenen Kabel unter der Straße verlegen. Ein höheres TAL-Entgelt würde auch zu einem Anstieg des Preisniveaus bei den alternativen Vollanschlussanbieter führen, bei einer Absenkung könnten die Endkunden bei Arcor, HanseNet & Co. mit fallenden Anschlusspreisen rechnen. Die Deutsche Telekom hat nach eigenen Angaben knapp 4,5 Millionen Teilnehmeranschlussleitungen vermietet.

Branchenverbände kritisieren Bundesnetzagentur

Die beiden Branchenverbände Breko (Bundesverband Breitbandkommunikation ) und VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) haben im Vorfeld der neuen Preisfestlegung die Bundesnetzagentur für eine Telekom- und Reseller-freundliche Entgeltregulierung kritisiert und reagierten enttäuscht auf den neuen Preis.

"Die Bundesnetzagentur hat mit der heute veröffentlichten Festlegung der Entgelte unverständlicherweise und entgegen mehrfacher öffentlicher anderslautender Ankündigungen den bewährten Absenkungspfad der vergangenen Jahre verlassen", kritisierte etwa VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. "Die viel zu geringe Absenkung um 15 Cent und damit um lediglich 1,4 Prozent bestraft alle Unternehmen, die mit Milliardeninvestitionen eigene Netzinfrastrukturen aufgebaut haben. Denn aufgrund der mehrfach höheren Absenkungen im Resale-Bereich ist nun eine erhebliche Schieflage im Markt entstanden, die die Bundesnetzagentur hätte verhindern müssen." Auf Kritik des Verbandes stößt vor allem das von der Bundesnetzagentur für die Ermittlung der Kosten der effizienten Leistungserstellung herangezogene Kostenmodell. "Hier werden Wiederbeschaffungskosten für teures Kupfer angesetzt, das meist seit über 30 Jahren im Boden liegt", so der VATM-Geschäftsführer weiter. "Auch die Abschreibungsdauern sind viel zu kurz und unterscheiden sich deutlich von denen, die der Regulierer in vergleichbaren Fällen ansetzt."

"Ein Trippelschritt statt der erhoffte große Wurf", kommentierte auch Breko-Präsident Peer Knauer die Entscheidung, "die Netzagentur schmückt sich mit einem Feigenblatt, während ein unverhüllt knallharter Preiswettbewerb die Breko-Mitglieder immer weiter in die Enge treibt." Während die TAL-Preise für die Breko-Mitglieder seit 1998 der Regulierung unterliegen, seien die Vorleistungspreise (Wholesale-DSL) zwischen Telekom und den Resellern, die über kein eigenes Netz verfügen, immer noch frei aushandelbar. Dadurch würden die Anbieter mit eigenem Netz benachteiligt. "Das zögerliche Verhalten der Behörde könnte im günstigsten Fall bedeuten, dass jetzt auf der anderen Seite bei den DSL-Vorleistungspreisen restriktiv eingeschritten wird", mutmaßt Knauer. Für die nächsten Wochen werde mit einer Entscheidung darüber gerechnet, ob die von Breko als Dumpingangebot kritisierten DSL-Wholesalepreise unterbunden werden. "Das Angebot muss vom Markt, eine solche Protektion unserer erklärten Wettbewerber durch die Netzagentur können wir nicht länger dulden", so der Breko-Präsident weiter.

Artikel aus dem Themenspecial "Telefonieren im Festnetz"