BOS

5. Nationaler Paging Kongress: Kritik an Alarmierungssituation

Düstere Aussichten für den digitalen Behördenfunk

Das Thema brennt den Sicherheitsfunkern von Polizei, Feuer, Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk unter den Nägeln: Wie kann in Zukunft alarmiert werden, wenn der viel diskutierte digitale BOS-Funk irgendwann einmal kommt und das analoge Behördenfunknetz wegen Altersschwäche ausgefallen oder demontiert wurde?

Vor knapp 250 Gästen des Paging-Kongresses im Berliner Novotel im Tiergarten sprach Hans-Peter Kröger der neue Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes gestern Morgen Klartext: "Wir werden uns von althergebrachter Technik lösen müssen, die wir beherrschen und in die wir auch viel direkter eingreifen können, als das künftig der Fall sein wird. Wir werden erhebliche Investitionen tätigen müssen, um einheitliche Standards zu erhalten und wir werden Lösungen finden müssen, um nicht dauerhaft hohe Gebühren zahlen zu müssen, die unser flächendeckendes System gefährden."

Nachdem die Verhandlungen mit der DB Telematik beendet wurden, bleibt weiter unklar, wer das neue digitale Behördenfunknetz bauen wird, erläutert Thomas Adling Leiter der Projektgruppe BOS beim Berliner Innenministerium den Stand der Dinge. Bis ein neuer Betreiber gefunden ist, baut sein Ministerium und die neue Bundesanstalt für den Digitalfunk (BDBOS) einen Versuchsbetrieb in Berlin und Stuttgart auf und hofft, dass eine "Koalition der Willigen" das Projekt von selbst in Fahrt bringt.

Das neue Polizeifunknetz soll von der durch die Airbus-Tragödie krisengeschüttelten EADS aufgebaut werden und alle beteuern "technisch ist das alles gar kein Problem, nur die Kaufleute und Juristen haben Bedenken". Wen wunderts, denn das nagelneue Netz soll alles können und wird richtig teuer. Nur Geld ist keines da.

In anderen Ländern mit zentralistischer Struktur ginge das alles viel schneller, bedauert Adling, in Deutschland haben Bund, Länder, Kreise und Gemeinden ein weitreichendes Mitspracherecht, was die Gefahr birgt, eine Menge von nicht kompatiblen Netzen und Systemen zu bekommen.

Schweden: TETRA wegen schlechter Qualität ausgeschaltet

Auch die verwendete TETRA-Funktechnik scheint ihre Tücken zu haben: In Schweden wurde das nagelneue TETRA-Polizeifunknetz erst einmal "für 2 Monate" abgeschaltet, wie Johan Agren von Generic Mobile Systems, einem schwedischen Funkrufbetreiber, nicht ohne Schmunzeln berichtet.

Um die Kosten für das Behördenfunknetz in Grenzen zu halten, wurden die Generellen Anforderungen an das Netz (GAN) ziemlich zusammengestrichen, damit ist jedoch eine flächendeckende Alarmierung der Rettungskräfte nicht mehr möglich.

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