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3GSM: Der Kampf WiMAX gegen HSDPA beginnt

Beide Funktechniken adressieren überschneidende Märkte

Auf der auf dem 3GSM Weltkongress kostenlos verteilten Messezeitung steht heute in großen Buchstaben auf der ersten Seite ein Zitat von Arun Sarin, dem Chef von Vodafone: "Wir müssen schnell sein, um WiMAX zu schlagen". Auch die von teltarif.de befragten Analysten und Ausrüster gehen eher von einer Konkurrenz denn von einer Koexistenz der beiden Standards aus. Die Folge könnten schon bald stark fallende Datentarife für die Verbraucher sein.

Grundsätzlich ist UMTS/HSDPA wie die Vorläufertechnologie GSM eine Sprachtechnologie: Über einen Kontrollkanal läuft die Steuerkommunikation zwischen Netz und Endgerät. Wird ein Telefonat aufgebaut, wird zusätzlich ein Sprachkanal geöffnet, über den dann synchron digitalisierte Sprache übertragen wird. WiMAX ist hingegen eine Datentechnologie: Die zur Verfügung stehende Bandbreite wird mit IP-Datenpaketen gefüllt. Jedes Datenpaket enthält Informationen zu Quelle, Ziel und Zweck, während bei den synchronen Technologien die über den Steuerkanal vereinbarte Lage oder Code-Nummer des Datenstroms die inhaltliche Zuordnung bestimmt.

Also gäbe es eigentlich eine ganz einfache Aufgabenteilung: GSM und UMTS für Sprache, WiMAX für den mobilen Datenzugang. Doch die Technologie ist flexibler als die Standards: Per GPRS und dessen Analogon im UMTS-Netz lassen sich Sprachkanäle in viele kleine Happen teilen, die dann wunderbar IP-Pakete tragen können. Und digitale Sprachdaten lassen sich auch in IP-Pakete packen, die über ein asynchrones Datennetz übertragen werden, und am Ende wieder zusammensortiert werden. So lange die Laufzeitschwankungen ("Jitter") nicht zu groß werden, funktioniert dieses VoIP-Verfahren tadellos. Also geht auch Sprache über WiMAX oder Daten über UMTS. Und da ist es verständlich, dass die Anbieter jeweils möglichst große Teile vom Gesamtmarkt (Sprache UND Daten) haben wollen, und sich nicht freiwillig auf einen Teil (Sprache ODER Daten) beschränken.

Ungleiche Historie

Ausgangspunkt ist, dass die UMTS-Lizenzen für teilweise horrende Preise verkauft wurden. Die UMTS-Netze sind installiert und funktionieren, die Datenrate wird dank HSDPA immer höher und die PING-Zeiten immer kleiner. Die WiMAX-Lizenzen werden in Europa hingegen gerade erst verteilt. In Deutschland wurden beispielsweise 56 Millionen Euro bezahlt, im Vergleich zu UMTS ein Spottpreis. Andererseits müssen die WiMAX-Netze erst aufgebaut werden. Endgeräte sind bis jetzt nur in kleiner Stückzahl und hauptsächlich für den stationären Bereich (etwa Umsetzer WiMAX zu WLAN) verfügbar. Attraktive Produkte sind aber angekündigt und sicherlich nächstes bis übernächstes Jahr auch lieferbar.

Das Horror-Szenario der etablierten Netzbetreiber: Die WiMAX-Anbieter bieten günstigen DSL-Ersatz an, bauen eine nach der anderen Basisstation auf und finden in deren Umkreis jeweils ausreichend viele Vertragskunden, die die Refinanzierung der Basisstation sichern. Ohne große Lizenz- oder Kapitalkosten entsteht nach und nach ein flächendeckendes Netz.

In diesem nach und nach ausgebauten Netz könnte dann in absehbarer Zeit nicht nur stationärer DSL-Ersatz angeboten werden, sondern auch "nomadischer" Internetzugang (Laptop aufklappen, wo man gerade ist, und online gehen) und mobile Telefonie. Für letztere ist beim WiMAX-Anbieter natürlich eine vielfach höhere Netzdichte erforderlich als für den reinen DSL-Ersatz, denn bei stationärem Einsatz kann der jeweilige WiMAX-Nutzer eine gerichtete Außenantenne anbringen, bei nomadischem oder mobilem Einsatz hat man eine nicht gerichtete Antenne, die meist in Innenräumen benutzt wird. Doch eine große Zahl an DSL-Ersatz-Kunden könnte die WiMAX-Anbieter ohnehin dazu zwingen (und zugleich finanziell in die Lage versetzen) und solches dichtes Netz auf- und auszubauen.

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