Ratgeber

DSL: Wer zu schnell surft, zahlt auch zu viel

Verfügbarkeitsabfragen der DSL-Anbieter arbeiten nicht immer zuverlässig
Von Björn Brodersen
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DSL-Einsteiger stehen vor einer schwierigen Wahl: Neben dem zukünftigen Provider müssen sie sich auch noch für eine bestimmte Anschlussgeschwindigkeit entscheiden. Allerdings können sie bei der Wahl der Datenübertragungsrate ihres DSL-Anschlusses nicht auf eigene Erfahrungswerte bauen, sondern müssen entweder den Empfehlungen der Anbieter oder dem Rat von DSL-erfahrenen Freunden und Bekannten vertrauen. Wer sich gleich für die schnellste Anschluss-Variante entscheidet, zahlt im Zweifel jeden Monat zu viel Geld, denn für die meisten Internetanwendungen reichen auch langsamere DSL-Anschlüsse mit 1 MBit/s oder 2 MBit/s im Downstream aus.

Eine verlässliche Messung, wie hoch die Datenübertragungsrate am Anschluss des Kunden ist, können die Anbieter erst dann vornehmen, wenn die DSL-Leitung auch geschaltet ist. Bis dahin handelt es sich bei den Geschwindigkeitsangaben der Provider in den Verfügbarkeitsabfragen um reine Richtwerte. Kann die zuvor ausgegebenen Datenrate am Anschluss des Kunden nicht realisiert werden, ist die Enttäuschung des Nutzers oft groß.

Ein späterer Wechsel auf eine langsamere und damit auch günstigere DSL-Variante kann für den Nutzer je nach Anbieter eine schwierige oder teure Angelegenheit werden. Die T-Com berechnet beispielsweise für ein solches Anschluss-Downgrade einmalig 49,95 Euro - diese Kosten fallen übrigens ebenso für den Wechsel in eine schnellere T-DSL-Anschlussklasse an.

Immer öfter kann der Kunde keine bestimmte Bandbreite mehr wählen

Foto: T-Online Manchmal zahlt der betroffene Kunde auch einen vergleichsweise teuren Grundpreis für seinen neuen Anschluss. Zum Beispiel bieten Provider wie 1&1, HFO, Strato und Tele2 DSL-Zugänge, bei denen keine feste Datenübertragungsgeschwindigkeit angepeilt wird, sondern der Kunde die maximal an seinem Anschluss verfügbare Datenrate erhält. Die Höchstgrenze liegt bei 16 MBit/s im Downstream. Das klingt zunächst verlockend - ob man die volle Geschwindigkeit jedoch auch erhält, hängt vom Wohnort ab, ansonsten ist die vorhandene Datenrate niedriger. Erst wenn eine niedrig angesetzte Geschwindigkeitsgrenze unterschritten wird, nehmen die Anbieter Abstand von der Schaltung eines DSL-Anschlusses und vom abgeschlossenen DSL-Vertrag. Liegt die messbare Datenrate über dieser Grenze, muss der Kunde zumindest über die Mindestvertragslaufzeit mit der langsameren Anschluss-Geschwindigkeit vorlieb nehmen - aber in vielen Fällen trotzdem den vollen monatlichen Grundpreis berappen.

1&1 versorgt beispielsweise angemeldete Kunden bis zu einer Datenrate von mindestens 384 kBit/s mit dem für eine maximale Geschwindigkeit von bis zu 16 MBit/s im Downstream ausgelegten Produkt 3DSL. Erhält ein Kunde eine Bandbreite von 1 MBit/s oder weniger im Downstream, erlässt 1&1 ihm monatlich 3 Euro von der Grundgebühr von 29,99 Euro. Der Kunde kann aber an den Vertrag gebunden bleiben, wenn die Daten mit etwas mehr als 384 kBit/s bei ihm ankommen. In den seltenen Extremfällen würden die betreffenden Neukunden aber zuvor angesprochen, ob sie den Vertrag trotz der sehr niedrigen Bandbreite wirklich abschließen wollen, so die 1&1-Pressestelle. Sollte später eine der üblichen monatlichen Nachprüfungen ergeben, dass nun mehr Bandbreite geschaltet werden kann, würde diese automatisch aufgeschaltet.

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