Digital Radio

Weitere Sender verlassen das sinkende Schiff DAB

Streichung von Fördermitteln führt zu Rückzug aus digitaler Technologie
Kommentare (117)
AAA
Teilen

Zumindest auf dem Papier sind die Aussichten für den digitalen Hörfunk (DAB) nie so gut gewesen wie heute: Nach der letztjährigen Wellenkonferenz stehen dem Digital Radio weitere Frequenzen zur Verfügung, die pro Region mindestens 20 Hörfunkprogramme im bisherigen Codec MPEG 1-Layer 2 ermöglichen könnten. Außerdem können die Sendeleistungen angehoben werden, was auch einen problemlosen Indoor-Empfang ermöglicht.

Doch das DAB-Angebot in Deutschland schrumpft immer weiter. So haben in Hessen der Sender für elektronische Musik, Nova Radio, und der Privatsender Skyradio ihre DAB-Ausstrahlung beendet. Zudem strahlen die Sender der FFH-Gruppe, harmony.fm und planet radio, ihre Programme nur noch in Mono-Qualität aus. Eine Renaissance des Sounds der 60er Jahre im hochmodernen Digital Radio: eigentlich unfassbar. Der Grund ist - wie beim Ausstieg anderer Privatsender zuvor - immer wieder der gleiche: Die hessischen Radios erhalten von der Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR) in diesem Jahr nur noch einen Zuschuss von 30 Prozent ihrer Ausstrahlungskosten. Zudem gibt es in Deutschland ein ungeschriebenes Gesetz: Sobald ein Sender wie im Falle Skyradio eine ausreichende UKW-Versorgung aufgebaut hat, wird die digitale DAB-Verbreitung obsolet. Technisch gesehen ist dies freilich ein Rückschritt.

In Sachsen droht ähnliches: Hier will die Landesmedienanstalt die DAB-Förderung zum Jahresende einstellen. Schon jetzt befürchten die Gerätebesitzer, dass auch im Freistaat die Privatradios somit von der digitalen Bildfläche abtreten könnten. Denn bislang galt in fast allen Bundesländern: ohne staatliche Subventionen keine Programme im digitalen Radio. Die Rundfunkveranstalter tragen mit ihrer Haltung zum seit Jahren bestehenden Henne-Ei-Problem bei: Ohne attraktives Programmangebot keine Käufer und Hörer, ohne Käufer und Hörer jedoch umgekehrt kein Interesse der Sender an Investitionen in die digitale Technik. Verlierer ist die – nach wie vor überschaubare – Zahl der Hörer, die sich extra für Sender wie Nova Radio ein digitales Radio zugelegt haben und nun im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre schauen.

Umstieg ins Internet

Derzeit scheint, als wollten die Sender das Thema Digital Radio vorerst weniger auf terrestrischem Wege, sondern mehr im Internet voran treiben: Der rheinland-pfälzische Privatsender RPR hat gleich fünf Radioprogramme [Link entfernt] im Netz gestartet. Die großen Privatradios FFH (Hessen), ffn, Hitradio Antenne (beide Niedersachsen) sowie Antenne Bayern planen gleich ein Dutzend solcher zusätzlicher Sender unter dem Label big4 [Link entfernt] . Damit reagieren die Programmveranstalter einerseits auf die zunehmende Beliebtheit des Internetradios und andererseits auf die Perspektive, dass das Internet durch Technologien wie WiMAX künftig auch mobil genutzt werden kann. Schon jetzt können Webradios mit Pocket PCs oder internettauglichen Handys via UMTS fast überall auch unterwegs gehört werden. Zudem sind Internetstreams im Vergleich zu terrestrischen DAB-Netzen wesentlich günstiger, es fallen für die Programmanbieter kaum Kosten an.

Sollten sich weitere Sender dazu entschließen, dem DAB-Hörfunk den Rücken zuzukehren, hat dies mit Sicherheit auch Auswirkungen auf die Geräteindustrie. Das Unternehmen Blaupunkt, derzeit größter und wichtigster Hersteller von DAB-Autoradios, hat gegenüber teltarif.de zwar Gerüchte dementiert, wonach man in Zukunft keine neuen digitalen Empfänger mehr entwickeln wolle. Sollte es in den kommenden Jahren jedoch nicht noch revolutionäre Entwicklungen geben, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich auch die Hersteller von DAB verabschieden, und das Kürzel dann endgültig für "Dead And Buried – tot und begraben" steht.

Teilen