Teurer

o2: Sonderrufnummern zur Nebenzeit deutlich teurer

0180-Nummern kosten nun 69 Cent pro Minute
Von Thorsten Neuhetzki
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Heimlich, still und leise hat der Mobilfunkanbieter o2 die Preise für Anrufe zu Sonderrufnummern geändert. Wie erst jetzt bekannt wurde, trat die Änderung bereits zum 28. November 2006 in Kraft. Die neuen Konditionen gelten dabei nicht nur für alle Kunden, die ihren Vertrag nach dem 28. November abgeschlossen haben, sondern auch für alle Bestandskunden. Dabei handelt es sich teilweise um drastische Preiserhöhungen.

Bis dato waren Gespräche zu 0180-5-Rufnummern vom o2-Vertragshandy aus nach 18 Uhr und am Wochenende für nur 25 Cent pro Minute möglich. In der Hauptzeit waren es 60 Cent. Nun werden allen Kunden, wenn sie eine der zahlreichen Servicelines anrufen, rund um die Uhr 69 Cent pro Minute berechnet. Besonders gravierend ist das für Kunden, die o2 Genion als Festnetzersatz nutzen und keine Möglichkeit haben, 01805-Rufnummern vom Festnetz aus für 14 Cent pro Minute anzurufen. Vodafone hingegen hatte bei seinem Zuhause-Produkt die Tarife für 0180-Nummern sogar auf 15 Cent pro Minute gesenkt.

Auch andere Sonderrufnummern-Tarife haben sich drastisch erhöht. So gab es auch bei den 0137-Rufnummern eine günstige Nebenzeit. Bisher kostete der Verbindungsaufbau einmalig 46 Cent, jede begonnene Minute kostete je nach Uhrzeit zusätzlich 51 bzw. 15 Cent. Nun kostet die Verbindung und jede begonnene Minute jeweils 49 Cent.

Begründung: Preise sollen transparenter sein

Ein Sprecher von o2 begründete gegenüber teltarif.de die Streichung der günstigeren Nebenzeit damit, dass man die Tarife für den Kunden vereinfachen und transparenter machen wollte. Mit den neuen Tarifen bewege man sich auf dem marktüblichen Niveau. Dass das so nicht ganz korrekt ist, zeigt beispielsweise ein Blick in die Preisliste von Marktführer T-Mobile. Hier kosten Gespräche zu 0180-Nummern 49 Cent pro Minute. Damit liegt der Minutenpreis hier 20 Cent unter dem von o2. Allerdings sind die neuen Tarife teilweise auch günstiger als beim Wettbewerber: 01377 kostet bei T-Mobile 1,39 Euro pro Minute, o2 berechnet 49 Cent pro Minute und Verbindung.

Auch die Begründung für die Abschaffung der Nebenzeit klingt nicht ganz plausibel. Bei genauerem Betrachten der Preisliste fällt auf, dass bei einigen Sonderrufnummern nach wie vor zwischen Haupt- und Nebenzeit unterschieden wird. Dieses trifft beispielsweise auf die Gassen 01888 (Informationsverbund Berlin-Bonn) und andere anderen 018-Nummern (z.B. Deutsche Bank, Barmer Ersatzkasse) zu. Aber auch bei 0700-Nummern wird nach wie vor in Haupt- und Nebenzeit unterschieden.

0180 bei LOOP nur geringfügig teurer

Die Tarifänderungen für die Prepaid-Kunden von o2 sehen anders aus: Hier sind Gespräche zur 0180-Gasse nur geringfügig teurer geworden. Statt wie bislang 69 Cent pro Minute werden nun 79 Cent pro Minute verlangt - und damit mehr als das Fünffache des Festnetzpreises. Anrufe zu 0137-Nummern sind für LOOP-Kunden zur Hauptzeit deutlich günstiger geworden - zur Nebenzeit aber wiederum deutlich teurer.

o2 sieht kein Sonderkündigungsrecht

Ein außerordentliches Kündigungsrecht steht den Kunden nach Angaben des o2-Sprechers durch die zum Teil deutlichen Erhöhungen nicht zu. Er begründete diese Aussage damit, dass es sich bei den Verbindungen zu Sonderrufnummern nicht um ein Kernprodukt handele, sondern um eine Nebenleistung. Hier seien jedoch angeblich keine außerordentlichen Kündigungen bei einer Erhöhung möglich.

"Die Ausflucht, es handele sich nur um eine Nebenleistung, halte ich nicht für korrekt", sagt der auf das Telekommunikationsrecht spezialisierte Rechtsanwalt Dr. Fabian Widder auf Nachfrage von teltarif.de. Schließlich geben es viele Banken, Versandhäuser und Gewinnspiele, die die Nutzung einer 0180-Nummer notwendig machen. "Rechtlich geht es hier um die Frage der Zulässigkeit einer Preisanpassungsklausel. Diese ist vorliegend an § 307 BGB zu messen. Sie dürfte nach meiner Ansicht den Kunden unangemessen benachteiligen und im konkreten Fall ist auch weder der Vorleistungspreis noch die Inflation in annähernd der Höhe gestiegen, dass eine Erhöhung von 0,25 auf 0,69 Euro gerechtfertigt wäre."

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