Themenspecial VoIP Hintergrund

Die technischen Tücken der Internet-Telefonie

Häufig auftretende Kinderkrankheiten des VoIP-Anschlusses
Von Jörg Stroisch

Voice over IP (VoIP) etabliert sich auch in Deutschland immer mehr als echte Alternative zum normalen ISDN- oder Analogtelefonanschluss. Die Technik vereinfacht sich zwar, so richtig ist das Internet-Telefon aber immer noch nur etwas für den ambitionierteren Computeranwender. Stecker rein, fertig: So einfach geht es beim Analogtelefon. Etwas mehr Aufwand ist dagegen beim Telefonieren über den Internetanschluss notwendig. Dabei zeigt sich: VoIP ist alles andere als intuitiv und schlägt sich außerdem immer noch mit Kinderkrankheiten herum, die an die Anfänge vom Mobilfunk oder Internet erinnern.

Rauschen, Knacken, Echo

Als das Mobilfunkzeitalter in Deutschland begann, war der Punkt "technische Qualität" immer noch ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Wahl des Netzanbieters. Knacken, Rauschen und die Wiederholung des Gesprochenen im Hintergrund als Echo markierten den Beginn des rapiden Netzausbaus. Heute sind diese Aspekte im Handymarkt kaum noch ein Problem. Durch VoIP erlebt die lästige Fragestellung nach der gewährleisteten Sprachqualität eines Anbieters aber wieder eine Renaissance. Mag es beim privaten Anruf nur ein lästiges Ärgernis sein, so ist es beim geschäftlichen Gespräch ziemlich peinlich, wenn offensichtlich die Qualität hinkt.

So merkt jeder Anrufer beispielsweise zwischen Skype und QSC einen deutlichen Unterschied. Bei Skype wirkt das Gespräch generell ein wenig übertönt, wohingegen QSC vom analogen Telefonat nicht mehr zu unterscheiden ist. Ein guter Trick ist es, die Sprachqualität zunächst mit dem Computer-Softphone und dem Headset an der Soundkarte auf Minutenabrechungsbasis ausgiebig zu testen, bevor die teure Telefonflatrate gebucht wird.

Neben der generellen Netz- oder besser Serverkapazitätsqualität des Anbieters, die großen Einfluss auf diese Aspekte hat, ist aber auch die eigene Bandbreite und Hardware ein wichtiger Faktor. So wird zwar generell für ein Sprachtelefonat nur eine Upload- und Downloadbandbreite von 200 Kilobit pro Sekunde empfohlen. Ein guter Tipp ist es aber, diese Bandbreite für beide Richtungen ordentlich heraufzusetzen - vor allem dann, wenn auch mehrere Telefonate gleichzeitig möglich sein sollen. Das ist dann allerdings mit manchem DSL-Tarif schon ein Problem. Auch die Hardware muss stimmen: Die Phonebox erlaubt häufig Einstellungen, mit denen die Sprachqualität stark beeinflusst wird. Hier kann auch Festnetzqualität als Standard eingestellt werden. Außerdem wichtig: Die Up- und Downstreamgeschwindigkeit muss bei der Anschlusskonfiguration genau mitgeteilt werden.

Hardwareabenteuer

Telefonieren per Voice over IP, Foto: 1&1 Es gibt eine Zeit vor der AVM FRITZ!Box und eine danach. Vorher war die VoIP-Telefonie vernebelt, schwierig, nur etwas für echte Freaks. Mit der Einführung kann man zurecht von einem Meilenstein für die Technik sprechen, andere Anbieter haben natürlich mittlerweile auch entsprechend bedienungsfreundliche Modelle im Lieferumfang. Soweit die gute Nachricht: Für Personen, die gerne irgendwelche Telekom-(Reseller)-DSL-Leistungen buchen - und dort auch gleich ihre Hardware bestellen - ist oft schon ziemlich viel vorkonfiguriert. Möchte man allerdings den Telefonanschluss unabhängig vom DSL-Anbieter buchen oder setzt man auf andere Verfahren á la QSC, dann wird es gleich wesentlich komplizierter. Auf jeden Fall müssen die neuen Telefonnummern in Menüs eingetippt werden, was für viele gar nicht so einfach ist. Mancher großer Anbieter ist zumindest bei der FRITZ!Box schon vorkonfiguriert. Und auch der Anschluss des Telefons kann ein Problem werden, wenn beispielsweise eine ISDN-Anlage zwischengeschaltet werden soll.

Wenn es nicht klappt: Woran liegt es nun? Die Probleme können so vielfältige Ursachen haben, dass ein paar Stunden Probieren schnell vorbei sind. Klappt es dann noch immer nicht, sollte lieber auf Spielereien wie die angeschlossene ISDN-Anlage verzichtet werden.

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