freiwillig und kulant?

Editorial: Ist Verzicht auf Preiserhöhungen wirklich Kulanz?

Oder: Nur eine Minderheit profitiert bei Mehrwertsteuererhöhung von konstanten Preisen

Seit Tagen ist es eines der bestimmenden Verbraucherthemen in der Presse: Zum Jahreswechsel kommt es in Deutschland zur höchsten Verbrauchssteuererhöhung der Geschichte, die Mehrwertsteuer steigt ab 1. Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent. Schon heute müssen wir jedoch steigende Preise tagtäglich z. B. im Supermarkt erleben, denn dort werden schon jetzt fleißig die Preise erhöht. Viele Produkte kosten dort urplötzlich zehn, 20 oder 30 Cent mehr, um wieder einen schönen, auf 9 Cent endenden Signalpreis zu erreichen. Dies ist zum Teil deutlich mehr, als die drei Prozentpunkte Umsatzsteuererhöhung wirklich ausmachen. Betroffen sind nicht nur jene Produkte, auf die man die volle Mehrwertsteuer bezahlen muss, sondern auch z. B. viele Wurst- und Käsesorten, obwohl hier der reduzierte Mehrwertsteuersatz gilt, der zum Jahreswechsel nicht erhöht wird. Nicht nur durch solche Erlebnisse kommt bei zahlreichen Verbraucherschützer und auch in der Redaktion von teltarif.de der Verdacht auf, dass die staatlich verordnete Teuerung zudem zu einer weiteren Preisrunde zu Gunsten der Unternehmen genutzt wird. Wie werden sich die Telefongesellschaften hier verhalten?

Nobel: E-Plus will alle Preise konstant halten

Gestern ging nun der E-Plus-Chef Michael Krammer in die Offensive und forderte in einem offenen Brief alle Unternehmen in Deutschland auf, die Mehrwertsteuer-Erhöhung zum 1. Januar nicht an die Kunden weiterzugeben. So schrieb er in dem Schreiben, dass der BILD-Zeitung vorliegt: "Wir alle haben gelernt, wie die Käufer auf Preiserhöhungen reagieren: Ärger und Verunsicherung führen zu Konsumzurückhaltung." Ein Verzicht auf Preiserhöhungen sei deshalb nicht nur im Sinne der Verbraucher, sondern "vor allem im Sinne der positiven Stimmung im Land".

Er selbst geht nach den Informationen der Zeitung mit gutem Beispiel voran und verzichtet auf eine Preiserhöhung zum Jahreswechsel. Ob dies wirklich für alle Tarife, also auch jene, die schon lange nicht mehr erhältlich sind, die aber immer noch eine große Zahl an Kunden nutzen, geht aus dem Bericht nicht genau hervor. Herr Krammer wird sich in den nächsten Wochen und Monaten aber sicherlich am Grundtenor seiner Worte messen lassen müssen und hoffentlich allen 13 Millionen E-Plus-Kunden in allen Tarifen kostante Bruttopreise abrechnen.

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