Hintergrund

Der deutsche DSL-Markt am Scheideweg

Paradigmenwechsel für die Bundesnetzagentur
Von Björn Brodersen

Der deutsche DSL-Markt befindet sich in einer entscheidenden Phase: Die Zahl der Anschlüsse nimmt weiterhin rapide zu, die Anteile am Markt werden jetzt unter den Anbietern aufgeteilt. Gleichzeitig steht den Nutzern auch immer mehr Bandbreite zur Verfügung, entsprechende Dienste wie etwa IPTV sollen dafür die Nachfrage wecken. Doch der Markt wird nicht nur durch bessere und neue Angebote verändert, auch der Regulierer muss sich nun darum kümmern, wie die künftigen Rahmenbedingungen für den Wettbewerb aussehen sollen - vor allem wenn sich der ehemalige Monopolist als Marktinnovator verstanden wissen will.

Wie berichtet hat die Deutsche Telekom in zehn Städten ein VDSL-Netz aufgebaut, über das sie auch Fernsehinhalte anbieten möchte, und macht weitere Investitionen in das Hochgeschwindigkeitsnetz von so genannten Regulierungsferien abhängig. Andererseits fordern gerade die VoIP-Provider das Ende der Zwangsbündelung des DSL-Anschlusses mit dem Telefonanschluss. Die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, Iris Henseler-Unger, spricht deshalb von einem regelrechten Paradigmenwechsel. Zukünftig stünden vor allem die Vorleistungsprodukte der Deutschen Telekom wie etwa der Bitstrom-Zugang oder die TAL und das Line-Sharing im Fokus der Marktregulierung.

Die Gemeinde der Nicht-Breitbandler wird bleiben

Die Zahl der DSL-Zugänge in Deutschland soll nach einer Schätzung des VATM bis zum Jahresende auf über 15,1 Millionen steigen. Zum Vergleich: Ende 2005 wurden im Land knapp 10 Millionen Anschlüsse gezählt. Ende 2008 sollen es der Prognose zufolge sogar fast 25 Millionen sein. Von den derzeitigen Endkundenverträge entfallen auf 70,9 Prozent auf die Deutsche Telekom und 20,1 Prozent auf die alternativen Anschlussanbieter. In dem Telekom-Anteil verbergen sich allerdings rund 3,8 Millionen DSL-Resale-Anschlüsse. Zum Ende des Jahres werden wahrscheinlich die Reseller und die alternativen Anbieter erstmals mehr Endkundenverträge auf sich vereinen können als die Telekom.

Allerdings - das stellte Branchenexperte Torsten Gerpott heute auf einer Euroforum-Konferenz zum Thema Breitband in Oberursel bei Frankfurt am Main klar - wird es auch immer eine Gemeinde der Nicht-Breitbandler geben. Wie viele Haushalte zum Beispiel gar nicht über DSL erreicht werden können, ist allerdings nicht genau bekannt. Während der eco-Verband von rund 75 Prozent der deutschen Haushalte spricht, die per DSL erreicht werden, gibt die Telekom eine Verfügbarkeit von 90 Prozent an.

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