Schulden

Schufa will Kurs der Offenheit verfolgen

Negative Schufa-Einträge können neuen Handyvertrag verhindern
Von dpa / Björn Brodersen
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Am Bankschalter und im Handyladen sieht mancher Kunde der Schufa-Anfrage mit Bangen entgegen. Finden sich in der Wiesbadener Mammut-Auskunftei mit 63 Millionen erfassten Deutschen geplatzte Schecks oder eine Serie unbezahlter Rechnungen, sieht der Sachbearbeiter das in Sekundenschnelle am Rechner. Kredite oder Handy-Verträge sind dann kaum noch drin.

Datenschützern ist die Schufa - 1927 als Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung gegründet - wegen ihrer Informationsmenge und Geschäftsgeheimnisse ein Dorn im Auge. Dagegen setzt das Unternehmen auf mehr Transparenz und kommt Kritikern in Einzelpunkten entgegen. Der neue Kurs der Offenheit zeigt sich auch in der vor einem Jahr bezogenen Firmenzentrale in Wiesbaden: Glaswände an der Gebäudefront, in den Fluren und zwischen den Büros stehen für den Firmenslogan "Wir schaffen Vertrauen".

Der "Score": Statistische Prognose über eventuelle Zahlungsausfälle

Dass Kritiker und gelegentlich auch Kunden bisher eher Misstrauen empfanden, liegt vor allem am geheimnisumwitterten "Score". Das seit zehn Jahren angebotene und millionenfach nachgefragte Schufa- Zusatzprodukt gibt eine statistische Prognose über das Risiko von Zahlungsausfällen. Damit registriert die Schufa nicht nur die in der Vergangenheit säumigen Schuldner, sondern wagt sich in die Zukunft - auf welcher Datenbasis, hat sie trotz drängender Nachfragen und sogar Klagen gegen den Score nie veröffentlicht.

"Jedenfalls verwenden wir im Gegensatz zu Wettbewerbern keine von außen zugekauften Daten, sondern nur das, was der Bürger in seiner Eigenauskunft sieht", sagt Schufa-Sprecher Stefan Horst. Aus diesen Informationen - etwa: "Kunde besitzt ein Handy, hat eine Kreditkarte und ein Girokonto" - werden statistische Gruppen gebildet, 15 Monate beobachtet und mit einem Punktwert eingestuft.

Das klingt harmlos, erklärt aber nicht die teils erheblichen Schwankungen im Score-Wert desselben Kunden über einen kurzen Zeitraum, den Datenschützer des Darmstädter Regierungspräsidiums in ihrem aktuellen Bericht beschreiben. Offenbar wurden bisher alle Kreditanfragen für die Scoreberechnung verwendet, bemängeln die Experten: Wer also bei zehn Banken ein Kreditangebot einholt, um die Preise zu vergleichen, kann in der Statistik seinen Score-Wert belasten. Hier will die Schufa gegensteuern: Noch in diesem Jahr werde das Zusatzmerkmal einer reinen "Konditionenabfrage" geschaffen, kündigt der Sprecher an. Der Score bleibe dann von solchen Anfragen unbeeinflusst.

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