Regulierung

E-Plus und o2 verlangen deutlich höhere Terminierungsentgelte

Betreiber begründen dies mit höheren UMTS- und Netzausbaukosten
Von Björn Brodersen
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Die kleinen Mobilfunkbetreiber E-Plus und o2 wollen offenbar deutlich höhere Terminierungsentgelte durchsetzen als bisher. Branchenkreisen zufolge haben beide Unternehmen die neuen Beträge für die Weiterleitung und Vermittlung von Gesprächen aus Fremdnetzen bereits bei der Bundesnetzagentur beantragt. o2 soll über 20 Cent pro Minute verlangen, E-Plus etwa 16 Cent. Das berichtet die Wirtschaftswoche. Bislang liegen die Terminierungsentgelte bei E-Plus und o2 bei 12,4 Cent, T-Mobile und Vodafone berechnen jeweils 11 Cent.

Die Bundesnetzagentur wollte sich nicht zu den Branchengerüchten äußern. Auch E-Plus und o2 machten laut der Zeitung keine weiteren Angaben. Ein o2-Sprecher habe lediglich bestätigt, dass die beantragten Beträge deutlich über den bisherigen liegen. Der Münchener Mobilfunknetzbetreiber habe die geforderte Preiserhöhung mit den Kosten für UMTS und den Netzausbau begründet. Diese seien für die kleinen Netzbetreiber höher als für T-Mobile und Vodafone. Vodafone soll auf den bisherigen 11 Cent beharren, T-Mobile fordert eine leichte Erhöhung auf 12,17 Cent.

Darüber, dass die Mobilfunknetzbetreiber die Kosten für die teuren UMTS-Lizenzen bei der Festlegung der neuen Terminierungsentgelte ins Feld führen werden, wird bereits seit einigen Tagen spekuliert. Sollte die Netzagentur die jeweils gut acht Milliarden Euro als Kosten bei den Preisprüfungen der Mobilfunknetzbetreiber anerkennen, wären steigende Gesprächspreise für Handy-Telefonate die Folge.

Mobilfunkbetreiber müssen sich die Entgelte jetzt genehmigen lassen

Die vier Netzbetreiber müssen sich ab sofort die Entgelte für Anrufe in ihr Netz vorab genehmigen lassen, nachdem vor einigen Monaten eine freiwillige Einigung in der Branche gescheitert war. Unter anderem war die KPN-Tochter E-Plus aus der Reihe ausgeschert, als sie forderte, künftig deutlich höhere Entgelte als die beiden Marktführer veranschlagen zu dürfen. Generell sprach sich jedoch auch E-Plus noch vor einiger Zeit für eine Preissenkung aus.

Die Unternehmen reichen ihre Vorschläge bei der Behörde ein, die dann die Höhe der geforderten Entgelte beurteilt. Die Anbieter müssen dafür ihre Kosten offenlegen, die die Grundlage für die Höhe der Gebühren sein sollen. Vor knapp zwei Wochen hatte Chefregulierer Matthias Kurth noch die derzeitigen Terminierungsentgelte als "überhöht" bezeichnet. Dem Zeitungsbericht zufolge hält auch T-Mobile die von den kleinen Netzbetreibern geforderte Anhebung der Terminierungsentgelte für nicht durchsetzbar.

Kurth rechnet mit einer weiteren Absenkung der Weiterleitungsgebühren, die eine natürliche Grenze nach unten für die Höhe der Handyminutenpreise darstellen. Sollten die Terminierungsentgelte sinken würden auch die Mobilfunkkunden von niedrigeren Gesprächspreisen profitieren. Die Terminierungsentgelte sind in den vergangenen Jahren bereits um 30 Prozent gesunken, dadurch fielen im vergangenen Jahr die Preise für Handy-Telefonate um zwölf Prozent.

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