Radio-Ersatz?

Der RadioDJ von Vodafone im Praxistest

Individuelle Channels mit Zugriff auf rund 600 000 Songs
Von Ralf Trautmann

Zur CeBIT dieses Jahres präsentierte Vodafone seinen neuen Dienst RadioDJ, der den Nutzer in die Lage versetzen soll, sich sein eigenes, individuelles Radioprogramm zu gestalten. Das Lifestyle-Feature zum Preis von 10 Euro pro Monat inklusive der Kosten für die Datenübertragung ist dabei an UMTS-fähige Handys gebunden sowie über den PC nutzbar. Vodafone, selbsternannter "Vorreiter in Sachen 'mobile Music'", verspricht eine kinderleichte Bedienung: "Das Handy einschalten, per Tastendruck den neuen Radiodienst starten - und genau die Musik hören, die man mag!". Um uns von den Qualitäten des RadioDJ zu überzeugen, haben wir den Dienst auf dem Nokia N70 einem Praxistest unterzogen.

Das Kernstück des RadioDJ bilden die selbst kreierten Radiosender. Die Handhabung des Dienstes ist dabei wie von Vodafone versprochen denkbar einfach: Vom Nutzer werden einzelne Vorlieben abgefragt, aus denen dann die Playlist des Senders vom RadioDJ zusammengestellt wird. So stehen hier zunächst acht verschiedene Genres zur Auswahl, die die Grundausrichtung des neuen "Channels", so wird der Sender genannt, bestimmen. Der RadioDJ hat dabei die Kategorien Pop, Hip Hop/Rap, Dance, Soul/R&B, Rock/Alternative, Hard Rock, Jazz und Schlager im Angebot.

Radio-"Sender" über Genre, Stimmung und Epoche erstellen

Anschließend lässt sich die Auswahl der Songs noch durch Angabe einer "Stimmung" beeinflussen, die mit so mehr oder weniger hübschen Begriffen wie Powerful, Happy, Romantic, Relaxed oder Sentimental umschrieben wird. Als letztes folgt noch die Eingrenzung auf eine Musikepoche, aus der die jeweiligen Songs stammen sollen: Wer sich einen Retro-Kanal wünscht, kann die Musik auf die 90er- oder die 80er-Jahre einschränken, möglich ist aber auch Auswahl von lediglich aktuellen Songs, Musikstücken aus den letzten Jahren oder schlicht allen verfügbaren Liedern.

Der Vodafone RadioDJ Der RadioDJ spielt dann aus seinem Portfolio von Songs nach und nach in zufälliger Reihenfolge passende Stücke. Vodafone kooperiert bei der Umsetzung nach eigenen Angaben mit einer Vielzahl von Labels, so dass insgesamt rund 600 000 Titel mit dem RadioDJ "empfangen" werden können.

In der Praxis ergeben sich zudem im Einzelfall nicht ganz stimmige Kombinationen, in großen und ganzen kann die Zusammenstellung aber als gelungen gelten. Auffällig ist jedoch, dass sich je nach gewählten Präferenzen manche Interpreten gerne wiederholen.

Der so erstellte Channel lässt sich dann unter einem selbstgewählten Namen abgelegen, so dass er auch in Zukunft jederzeit zur Verfügung steht. Der RadioDJ bietet zudem die Möglichkeit, über die Optionen "Mag ich" und "Nie wieder" die Playlist des gespeicherten Senders nachhaltig zu beeinflussen.

Zudem steht der Service auch über den PC zur Verfügung, wobei die Daten zwischen Handy und Computer synchronisiert werden, gespeicherte Sender sind daher auf beiden Plattformen abrufbar.

RadioDJ überträgt Songs per Streaming

Der RadioDJ überträgt die jeweiligen Dateien mittels Streaming, die Speicherung auf dem Handy ist somit nicht vorgesehen. Die Klangqualität auf dem Mobiltelefon ist bei einer Streamingrate von 32 kBit/s im AAC+-Format durchaus ordentlich. Auf den PC werden die Dateien im WMA-Format mit 128 kBit/s übertragen.

Wer sich die jeweiligen Songs dauerhaft erhalten will, kann zudem über einen in der RadioDJ-Anwendung integrierten Link direkt auf den Musikdownload-Bereich von Vodafone zurückgreifen: Der jeweilige Song ist hier als MP3-File zu beziehen, allerdings selbstverständlich nur gegen Entgelt.

Neben diesem Kernstück des RadioDJs bietet der Dienst noch weitere Features: So sind bestimmte Themenpakete bereits in der Anwendung integriert, zur WM stand zum Beispiel ein Special mit Fußball-Songs bereit.

Zudem sollen theoretisch zu jedem Musikstück Informationen rund um den jeweiligen Interpreten abrufbar sein. Diese Funktion befindet sich augenscheinlich noch im Aufbau, zumindest waren zu einer Vielzahl von Künstlern keine weiteren Details verfügbar, auch die versprochene Ausstattung mit Bildern der jeweiligen Interpreten war nur in den seltensten Fällen gegeben.

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