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Editorial: Premium-Internet zum Premium-Preis!?

Wie viel sollen Inhalteanbieter für die Anbindung zahlen?
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Der Streit erreicht in den USA schon fast groteske Züge: Die einen sehen das freie Internet in Gefahr, die anderen die freie Marktwirtschaft. Es geht um ein neues Gesetz, das Internet-Providern erlauben bzw. verbieten soll, von Inhalteanbietern Extra-Gebühren für die bevorzugte Übertragung derer Inhalten zu berechnen. Konkret könnte z.B. die Suchmaschine Yahoo! einem Internet-Provider Geld dafür geben, dass die Kunden des Providers schneller auf Yahoo! zugreifen können als auf den Konkurrenten Google. Ebenso könnte aber auch ein Voice-over-IP-Anbieter per Zusatzentgelt sicherstellen lassen, dass die Sprachpakete mit minimaler Verzögerung und ohne Paketverlust übermittelt werden, um die Sprachqualität zu optimieren - ohne dass deswegen andere Datenübertragungen merklich verschlechtert oder gar behindert werden.

Die Bandbreite des Streits

Die beiden Beispiele zeigen bereits die Bandbreite des Streits: Wer Sprache oder Video über das Internet streamt, hat schon derzeit das Problem, dass die Pakete gelegentlich an den Knoten hängen bleiben und der Stream dann ruckelt oder aussetzt. Was spricht also dagegen, dass der Voice-over-IP-Anbieter dem Internet-Provider ein paar Euro extra dafür zahlt, damit die Sprach"verbindung" perfekt steht? Am Schluss ist doch allen geholfen: Der Endkunde hat top Gesprächsqualität bei weiterhin günstigen Preisen im Vergleich zur herkömmlichen Telefonie, der Voice-over-IP-Anbieter findet so mehr Kunden und der Internet-Provider verdient mehr Geld.

Andererseits: Viele Internet-Provider haben ihren Backbone heute schon so gut ausgebaut, dass die Daten fast immer behinderungsfrei fließen. Für den Schritt von 99,99 Prozent auf 100 Prozent Paketzustellungsrate dürfte kaum ein Inhalte- oder Dienste-Anbieter ein Vermögen investieren. Es besteht also die Gefahr, dass Internet-Provider ihre normale Netzqualität absichtlich verschlechtern, um das Premium-Angebot attraktiver zu machen, um damit am Schluss mehr Geld verdienen zu können. Statt einer Verbesserung für die top-Dienste gäbe es somit also eine Verschlechterung für (fast) alle.

Das Internet ist schon heute so schnell, dass textdominierte Seiten fast instantan im Browser-Fenster des Surfers erscheinen. Wenn eine Suchmaschine schneller sein will als die andere, dann ist dieses kaum durch zusätzliche Beschleunigung der einen zu erreichen, eher schon durch absichtliches Ausbremsen der anderen. Hier wird es gefährlich für die Meinungsfreiheit: Unabhängige, private Inhalte, die sich die Premium-Maut nicht leisten können oder wollen, würden im Extremfall gar unerreichbar werden. Die Meinungsfreiheit ist in den USA aber eines der höchsten Güter; entsprechend heftig der Protest gegen die Premium-Maut.

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