ungewollte Clubmitgliedschaften

Willkommen im Club: Surfen mit avanio-Zugängen

Wer betroffen ist, was der Anbieter sagt, wie man sich wehren kann
Von Björn Brodersen

Gerüchten zufolge sollen solche Clubmitgliedschaften auch durch das Surfen mit Tarifen des Providers Flashnet entstanden sein. Dem widerspricht aber dessen Geschäftsführer Ralf Heckel: "Ein Zusammenhang zwischen Flashnet und avanio besteht nicht. Unsere Tarife sind anmeldefreie, grundgebühr- und mindestumsatzfreie Internet-by-Call-Angebote. In unseren AGB gibt es keine versteckten Klauseln, die das Einziehen einer Grundgebühr oder den Erwerb einer Clubmitgliedschaft beinhalten." Verwirrung bei den Nutzern entsteht wohl dadurch, dass die avanio- und die Flashnet-Dienste gemeinsam über den technischen Dienstleister callando abgerechnet werden. Im Einzelverbindungsnachweis von callando, der über die Webseite des Inkassounternehmens Nexnet abrufbar ist, werden so die Posten beider Anbieter nebeneinander geführt, haben allerdings nichts miteinander zu tun.

Welche Rolle spielt callando?

callando ist der technische Dienstleister von avanio, beide Unternehmen haben unseren Informationen zufolge im vergangenen Jahr einen so genannten VISP-Vertrag geschlossen - VISP steht für "Virtueller Internet Service Provider". callando führt dabei für avanio die Inkassierung der Nutzungsentgelte und das Beschwerdemanagement der bei callando auflaufenden Kunden durch und stellt technische Netzdienstleistungen wie etwa die Zuführung des Internet-Traffics oder die Netzüberwachung zur Verfügung. Die abrechnungsrelevanten Daten erstellt callando nicht selber, sondern erhält sie von avanio. Einen solchen VISP-Vertrag hat callando beispielsweise auch mit Flashnet geschlossen. "Da die Systeme eigenständig und getrennt sind, ist eine Verwechslung oder ein Datenfehler zu 100 Prozent ausgeschlossen", erklärte und callando-Geschäftsführer Tillmann Raith.

Doch warum arbeitet callando überhaupt immer noch mit einem Unternehmen zusammen, das wegen seiner Geschäftsbestimmungen so häufig in der Kritik von Verbraucherschützern steht? "Bei Abschluss des VISP-Vertrags war nicht bekannt, dass avanio ein solches Geschäftsmodell anbietet. Unsere rechtliche Betreuung hat das Tarifmodell überprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass durch eine einmalige Einwahl unter bestimmten Voraussetzungen sehr wohl ein Dauerschuldverhältnis dargestellt werden kann", sagte Raith auf Nachfrage. "Ansonsten sehen wir uns als reinen technischen Dienstleister, der verschiedene Produkte Resellern anbietet."

Inzwischen gelten aber laut dem Geschäftsführer bei callando strengere Regeln für die Reseller: So soll es diesen beispielsweise nicht mehr möglich sein, Tarife ohne die vertragliche Zustimmung des technischen Dienstleisters zu melden. "Auch gleichen wir die Tarife in Least-Cost-Routern mit denen im Rating hinterlegten Tarifen ab, so dass es zu keinen Fehlern mehr kommen sollte", fügte Raith im Gespräch hinzu.

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