Jubiläum

48,5 Millionen Bundesbürger nutzen das Telefonbuch

Das Telefonbuch feiert seinen 125. Geburtstag
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Fast jeder hat es, fast jeder braucht es, nahezu jeder kennt es: das Telefonbuch. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Nachschlagewerk von einem schmalen amtlichen Verzeichnis zu einem werbefinanzierten Branchenkatalog mit zigtausend Einträgen entwickelt. Wie bereits berichtet wird das deutsche Telefonbuch im Juli 125 Jahre alt. Die "Fernsprech-Vermittlungsanlage Berlin" gab am 14. Juli 1881 unter dem etwas sperrigen Namen "Verzeichnis der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten" das erste Telefonbuch heraus. Knapp 100 Telefonbesitzer waren darin aufgelistet. Da damals viele Bürger die neue Telekommunikationstechnik für eine Narretei hielten, bezeichnete der Berliner Volksmund das Druckerzeugnis zunächst abfällig als "Das Buch der 99 Narren".

Heute beschimpft Telefonbesitzer niemand mehr als Narren. 96 Prozent der Bundesbürger kennen das Telefonbuch einer repräsentativen Umfrage zufolge. Auch die Zahl der Verzeichneten ist längst nicht mehr zweistellig und nimmt mittlerweile wieder zu. "Ende der 80er, Anfang der 90er hatten wir das Problem, dass sich die Telefonbesitzer nicht mehr eintragen lassen wollten", verrät Oliver Neuerbourg, Geschäftsführer vom Telekom-Ableger DeTeMedien. Denn eine Meldepflicht wie früher gibt es nicht mehr.

Call-Center-Betreiber haben das Telefonbuch für sich entdeckt

Mittlerweile sei der Trend aber gebannt, in ländlichen Gebieten habe es ohnehin nie eine Verweigerungshaltung gegeben. Nur in den Städten würde mancher Telefonbesitzer lieber für die Öffentlichkeit anonym bleiben. Was wohl auch damit zusammenhängt, dass Call-Center-Betreiber und Marketingstrategen das Verzeichnis längst für sich entdeckt haben.

Denn das werbefinanzierte Medium Telefonbuch und die damit verbundenen Druckereiaufträge sind mittlerweile ein beachtliches Geschäft. Auf eine Milliarden Euro schätzt der Verlagsfachmann Klaus Mapara den Gesamtbranchenumsatz. Wie hoch die Werbeeinnahmen oder Kosten für die redaktionelle Bearbeitung sind, will Mapara, gleichzeitig Vorsitzender des Beirats der Telefonbuch-Servicegesellschaft, nicht verraten.

Fest stehen folgende Zahlen: Jährlich erscheint das Telefonbuch in einer Gesamtauflage von 32 Millionen Exemplaren. Die 125 regionalen Ausgaben werden von 38 verschiedenen Verlagen gedruckt. Die Auflage ist dabei seit Jahren relativ stabil.

Trotz Internetkonkurrenz kein Ladenhüter

Denn entgegen der landläufigen Meinung verkommt das Telefonbuch durch die Konkurrenz des Internets nicht zum Ladenhüter. Zwar verzeichnet der Internetableger des Telefonbuchs monatlich rund 100 Millionen Seitenaufrufe, aber noch immer nutzen einer Umfrage zufolge 48,5 Millionen Bundesbürger das Telefonbuch regelmäßig. "Der Mensch hat halt gerne was in der Hand", glaubt Neuerbourg und vergleicht das Telefonbuch mit einer Tageszeitung.

Bislang werde das Internet für die Nummernsuche hauptsächlich am Arbeitsplatz genutzt. Zu Hause hingegen greifen die meisten Sucher nach wie vor zur gedruckten Ausgabe. Neuerbourg hat keine Angst davor, dass das Druckerzeugnis durch die weitere Verbreitung des Internets ins Hintertreffen gerät: "Das ist nicht der letzte runde Geburtstag des Telefonbuchs."

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