Ausblick

Mobilfunkmarkt: Warten auf die Exoten

Kommen jetzt der erste Frauen- und der erste Gay-Tarif?
Von Björn Brodersen
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Der deutsche Mobilfunkmarkt wird sich in den kommenden Jahren erheblich verändern. Nach Ansicht des dänischen Marktbeobachters John Strand werden die jungen Discount-Tarife mit ihren vergleichsweise niedrigen Gesprächspreisen eine reinigende Wirkung auf die aktuellen Angebote der vier Netzbetreiber und diversen Service-Provider haben. Seiner Prognose zufolge werden schon bald bei den Netzbetreibern die gleichen Konditionen für Handytelefonate gelten wie bei den Billiganbietern. Gleichzeitig würden noch viele weitere neue Anbieter ohne eigene Infrastruktur auf den Markt treten, die sich an spezielle Zielgruppen oder Communities - beispielsweise an Anhänger eines Fußballclubs oder an Menschen mit homosexueller Orientierung - richten.

Die neue Konkurrenz wird laut Strand die klassischen Mobilfunkanbieter zum Umdenken zwingen - seiner Meinung nach jedoch viel zu spät. Außer der steigenden Mobilfunk-Penetration in der Bevölkerung hätten die deutschen Unternehmen schließlich nicht viel erreicht in den vergangenen zehn Jahren. Stattdessen hätten sie am Kunden vorbei in die Einführung, den Betrieb und die Vermarktung teurer Datendienste und Mobilportale investiert, die kaum einer nutze.

"90 bis 95 Prozent der Umsätzer erzielen die Mobilfunkanbieter durch Sprachtelefonie und SMS-Versand", rechnete der Inhaber einer gleichnamigen Consulting-Firma auf dem von IQPC organisierten MVNO Summit Europe 2006 in Berlin vor. Der Verkauf von Telefonminuten in Deutschland sei jedoch ein "großes Desaster". Damit, dass die großen Mobilfunkanbieter sich bislang nicht bewegt haben, hätten sie jedoch eine große Chance vergeben.

Günstige Preise statt subventionierte Handys

Statt beispielsweise weiterhin den Kauf neuer Mobiltelefone in Verbindung mit einem Mobilfunkvertrag zu subventionieren, sollten die Anbieter lieber in niedrige Preise investieren, um ihre Marktanteile gegen die wachsende Konkurrenz zu verteidigen und den eigenen Kunden zum häufigeren Gebrauch des Handys zu animieren. Dass solche Strategie erfolgreich sein und bedeutende Marktanteile bringen kann, zeigten Beispiele aus den Nachbarländern wie yesss! in Österreich, Tele2 in Schweden und Telmore oder CBB Mobil in Dänemark. Die Chance, hierzulande eine Vorreiterrolle einzunehmen, hätten jedoch etliche Unternehmen vergeben, trotz günstiger Ausgangslage.

Beispielsweise habe der aktuelle Telmore-Inhaber TDC nicht einfach das in Dänemark bewährte Preismodell auch in Deutschland eingeführt, sondern führt mit Talkline einen Service-Provider, der kaum Möglichkeiten habe, sich von den Netzbetreibern abzuheben. Schließlich sei mit easyMobile eine weitere Marke eingeführt worden, anstatt einfach mit Talkline einen neuen Weg einzuschlagen. Ein Gegenbeispiel sei die E-Plus-Marke simyo - laut Strand eine reine Kopie des Telmore-Geschäftsmodells.

Netzbetreiber bauen auf ihre Marke

Ob beispielsweise auch die Netzbetreiber schon bald ihre Gesprächspreise radikal senken, bleibt abzuwarten. Das Dilemma der großen und lange etablierten Mobilfunkanbieter: Ihre komplexe Unternehmensstruktur macht sie schwerfällig und die Entscheidungsfindung langsam. Dazu kommt, dass sie dadurch auch hohe Administrationskosten haben. Bauen können sie dagegen auf den Bekanntheitsgrad und den Wert ihrer Marken. Zudem ist in Deutschland - das zeigen Umfragen immer wieder - die Kostensensibilität der deutschen Handynutzer nicht sonderlich ausgeprägt. Viele Kunden wissen gar nicht, wie viel sie für ein Handytelefonat zu einem bestimmten Anrufziel zu einer bestimmten Tageszeit zahlen - und telefonieren trotzdem mobil.

Eine Alternative für die Netzbetreiber ist es, vermehrt andere neue Großabnehmer von Netzkapazitäten auf das eigene Netz zu lassen, so wie es beispielsweise CBB Mobil seit Dezember vergangenen Jahres in Dänemark vormacht. Auf diese Weise haben sie eine gute Chance, Kunden, die zu einem Billiganbieter abwandern wollen, wenigstens im eigenen Netz zu behalten. Wie berichtet hat auch E-Plus diesen Weg eingeschlagen.

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