Entwicklung

Neuer Modem-Standard V.97 wide: Highspeed für Schmalband?

V.97 wide soll Schmalband-Surfen mit bis zu 768 kBit/s ermöglichen
Von Thorsten Neuhetzki
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Obwohl die Breitbandzugänge in Deutschland immer günstiger werden und die Deutsche Telekom sowie einige alternative Anschlussnetzbetreiber ein VDSL-Netz mit bis zu 50 MBit/s Bandbreite beim Endkunden aufbauen wollen, sitzen weite Teile der Landbevölkerung weiterhin auf dem Trockenen. Abseits der Städte lohnt es sich für die Anbieter zumeist nicht, eigene Netze aufzubauen und auch der Ausbau von DSL wäre für nur wenige Häuser wirtschaftlich kaum machbar. Auch sind viele Gebiete im Osten Deutschlands mit Glasfaser ausgebaut und ermöglichen somit derzeit noch kein DSL. So bleibt letztlich nur die Alternative, per Modem bzw. ISDN zu surfen. Hier war bislang bei 56 kBit/s im Modembereich und 128 kBit/s bei ISDN-Kanalbündelung Schluss mit der Bandbreite. Lediglich freenet hat in der vergangenen Woche mittels freenetSPEED versucht, die Geschwindigkeit nach oben zu kurbeln. Überzeugend war dieser Versuch jedoch nicht, wie ein Kurztest der Redaktion ergeben hat. Doch nun gibt es eine weitere, viel versprechende Entwicklung.

Wie das Technology Opportunity Institute im US-Bundesstaat Arizona mitteilt, habe man einen neuen Modemstandard entwickelt, mit dem Übertragungsraten von bis zu 512 kBit/s über eine gewöhnliche Telefonleitung möglich seien. Dabei soll es keinerlei Abstriche in Sachen Qualität geben. Und auch bei Downloads soll die Geschwindigkeit hoch bleiben.

Realisierung durch revolutionäres Bit-Sharing

Möglich wird dies nach Aussage der Forscher durch ein revolutionäres neues Bit-Sharing. Dort, wo bisher nur ein einzelnes Bit über die Leitung ging, ist nun Platz für bis zu zwölf Bit. Diese werden quasi gleichzeitig gesendet, und können beim Empfänger dennoch wieder getrennt werden. Dafür ist in der Regel nur verbesserte Firmware in den Modems auf Sender- und Empfänger-Seite nötig, in seltenen Fällen auch ein neues Modem. Die dazwischen befindliche leitungsorientierte Vermittlungstechnik braucht hingegen nicht geändert zu werden.

Nun arbeitet das Institut an einer Verbesserung des Standards, der als V.97 wide bezeichnet wird. "Wir sind zuversichtlich, bis zum Sommer eine Bandbreite von 768 kBit/s übertragen zu können", sagte ein Forscher des Technology Opportunity Institute. Mehr Bandbreite sei dann aber aus technischen Gründen nicht möglich. Noch mehr Bits lassen sich schlicht und einfach nicht zusammenpacken.

V.92-Modems können per Firmware-Update auf V.97 wide aufgerüstet werden

Vermutlich wird der neue Standard auch in Deutschland Anwendung finden. Wann mit einem Start zu rechnen ist, ist jedoch unklar. Zunächst müssen die Anbieter den neuen Standard implementieren. Das allerdings soll den Angaben zufolge ähnlich einfach sein, wie im Mobilfunksektor bei EDGE oder HSDPA: Zu hoffen bleibt aber, dass V.97 wide seitens der Provider besser angenommen wird, als seinerzeit der Standard V.92.

April, April - Aprilscherze der teltarif.de-Redaktion

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