Strategie

Versatel will noch dieses Jahr VoIP anbieten

Vollanschluss-Anbieter will 200 000 DSL-Kunden hinzugewinnen
Von Björn Brodersen

Nach der Fusion mit dem Regionalanbieter-Verbund Tropolys sieht sich der Vollanschluss-Anbieter Versatel gut gerüstet für kommende Aufgaben. Die Nummer Drei auf dem Markt hinter der Deutschen Telekom und Arcor will in den kommenden neun Monaten die Kundenzahl deutlich erhöhen. Die Zahl der DSL-Kunden soll beispielsweise von zurzeit rund 300 000 um weitere 200 000 bis zum Jahresende steigen. Nach eigenen Angaben gewinnt das Unternehmen täglich knapp 1 000 Neukunden hinzu - damit soll sich in dem eigenen Anschlussgebiet jeder dritte DSL-Neukunde für Versatel entscheiden. Den Festnetzanschluss des überregionalen Anbieters beziehen momentan rund 530 000 Haushalte. Zurzeit erreicht Versatel eine Marktabdeckung von rund 20 Prozent.

Neben der aktuellen Werbekampagne und der Bündelung der Stärken der fusionierten Unternehmen sollen auch neue Produkte zum weiteren Kundenwachstum beitragen. So kündigte Geschäftsführer Peer Knauer auf der in Hannover stattfindenden Computermesse CeBIT in einem Gespräch mit der teltarif.de-Redaktion an, noch in diesem Jahr Internet-Telefonie anbieten zu wollen. Interessiert ist der Anbieter auch an dem Ausbau eines eigenen oder eines gemeinsamen VDSL-Netzes, das Datenübertragungsraten von bis zu 50 Mbit/s im Downstream ermöglicht. Darüber können die Kunden parallel mehrere Fernsehstreams in DVD-Qualität empfangen, ohne dass weitere Dienste wie VoIP oder das Surfen im Internet darunter leiden. Zudem können die Kunden wahrscheinlich auch ein Dual-Mode-Telefonangebot von Versatel erwarten, ähnlich der Produkte, die von T-Com und Arcor auf der Branchenmesse präsentiert werden.

Mehr Reichweite: Dual-Mode-Geräte mit WiMAX-Chips

"Die Idee, zu Hause per VoIP zu telefonieren und außerhalb des Hauses im Mobilfunknetz, ist sehr interessant", sagte der Versatel-Geschäftsführer. Die gerade erst vorgestellten Dual-Mode-Telefonangebote der Konkurrenz hält Knauer jedoch für zu beschränkt. Vor allem die Möglichkeiten, mit den neuen Geräten kostengünstig über das Internet zu telefonieren, sind ihm zu begrenzt. Ihm schwebt vielmehr ein Gerät vor, das mit einer größeren Reichweite als WLAN drahtlos mit dem Internet verbunden werden kann, beispielsweise per eingebautem WiMAX-Chip. Schwierigkeiten, ein solches Kombi-Produkt einzuführen, sieht Knauer nicht: "Wir haben die kritische Masse erreicht und sind dadurch interessant für die Mobilfunkanbieter", erklärte er. Versatel verfügt im Gegensatz zur T-Com (T-Mobile) und zu Arcor (Vodafone) nicht über einen natürlichen Partner aus dem Mobilfunkbereich. Wann mit einem solchen Konvergenz-Produkt zu rechnen ist, ließ Knauer allerdings noch offen.

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