Nachfolgestandard

Weltweit erster kommerzieller IPv6-Service in Japan

In den USA könnte Umstellung auf IPv6 75 Milliarden Dollar kosten
Von Christian Horn
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In Japan hat der größte Telekommunikationsanbieter des Landes NTT DoCoMo den nach eigenen Angaben weltweit ersten kommerziellen IPv6-Service gestartet. IPv6 (Internet Protocol Version 6) ist der Nachfolgestandard von IPv4, dem gegenwärtigen De-Facto-Standard für die Kommunikation im Internet. IPv6 zeichnet sich dem Vorgängerstandard IPv4 gegenüber vor allem durch den erweiterten Adressraum aus, was bedeutet, dass die Zahl der verfügbaren IP-Adressen immens gesteigert ist.

Der von NTT DoCoMo für 300 Yen (2,15 Euro) pro Monat angebotene IPv6-Service für Endkunden erlaubt den Aufbau einer IPv6-Verbindung über jeden herkömmlichen leitungsgebundenen oder auch drahtlosen Internetzugang. Der Nutzer spielt eine IPv6-Zugangssoftware auf seinen Rechner, die es ermöglicht, über das Standard-IPv4-Internet einen IPv6-Tunnel zu einem Server herzustellen, der dann die Verbindung auf das IPv6-Internet schaltet. Wird beispielsweise beim Surfen im Internet eine bestimmte Webseite angefordert, wird wie im üblichen Verfahren die IP-Adresse des Domain-Namens beim Domain-Name-Server abgefragt. Gibt es für die nachgefragte Webseite auch eine IPv6-Adresse, wird die Verbindung via IPv6-Tunnel hergestellt. Ist keine IPv6-Adresse verfügbar, wird die Verbindung über die herkömmliche IPv4-Verbindung abgewickelt.

Der ferngesteuerte Kühlschrank rückt mit IPv6 näher

Anders als im gewöhnlichen Internet-Geschäft, wo die Nutzer üblicherweise nur temporäre IP-Adressen zugewiesen bekommen und feste IP-Adressen nur gegen einen Aufpreis zu haben sind, können die Abonnenten von NTTs IPv6-Service über beliebig viele IP-Adressen verfügen. Der praktische Nutzen erschließt sich den Nutzern in verschiedenen Szenarien. So kann zum Beispiel über das Internet auf den mit fester IP-Adresse ausgestatteten heimischen Rechner zugegriffen werden, um dort Daten abzufragen oder den Rechner als persönlichen Musik- oder Bilder-Server einzusetzen. Mit IPv6 rückt auch das Szenario des ferngesteuerten Home-Networking näher: Der berühmte Internet-Kühlschrank mit eigener IP-Adresse, die Webcam zur Hausüberwachung, der Rolladen und die Lichtanlage - in der IPv6-Zukunft hat jedes Gerät seine eigene IP-Adresse und ist somit problemlos über das Internet von der Ferne aus ansprechbar.

Die globale Umstellung auf IPv6 ist ein Mammutprojekt

IPv6 gehört ohne Frage die Zukunft. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind IPv6-Adressen und -Dienste aber noch eher die experimentelle Ausnahme. Die globale Umstellung auf IPv6 ist ein Mammutprojekt, das sich vermutlich über mindestens ein Jahrzehnt hinziehen wird. Einem noch unveröffentlichten Bericht des US-Finanzministeriums zufolge könnte die Umstellung auf IPv6 allein in den USA zwischen 25 bis 75 Milliarden US-Dollar (21,07 bis 63,22 Milliarden Euro) kosten, berichtete Anfang Dezember ein Redner auf dem Fachkongress IPv6 Summit. In Japan beispielsweise wird die finanziell schwer wiegende Umstellung auf IPv6 durch Steuervergünstigungen für Provider vorangetrieben.

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