Wende

Transglobe wird von T-Com übernommen

Geschäftsführer Brandenburger gesteht Finanz-Probleme ein
Von Thorsten Neuhetzki
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Als wir vor einigen Tagen über Störungen größeren Ausmaßes beim Callingcard-Anbieter Transglobe berichteten, waren bereits Gerüchte zu finanziellen Problemen zu hören. Mit einer Wendung, wie es sie heute gab, rechnete aber wohl niemand in der Branche: Transglobe will sich vom Markt verabschieden und übergibt seine Kunden an die Callingcard-Sparte der T-Com.

Nach Angaben von Geschäftsführer Dieter Brandenburger übernimmt die T-Com die 62 000 Kunden des Callingcard-Anbieters. Die Tarife der Transglobe sollen dazu auf die Plattform der T-Com eingespielt werden. Auch der Vertragspartner ist demnach nun die T-Com. Dieses wird nach Angaben Brandenburgers aber noch einige Tage dauern, da einige Vorbereitungen auf technischer Seite zu treffen seien.

Um den Dienst dann nutzen zu können, muss sich der Kunde einmalig dafür registrieren. Das betrifft auch die Einrichtung von Aufladefunktionen. Übernommen werden hingegen die registrierten Rufnummern. Auch die Einwahlnummer soll bald wieder funktionieren, heißt es von Transglobe. Und das Wichtigste: Auch bei Transglobe aktives Guthaben wird entsprechend übernommen.

Lieferanten-Kredit Ursache für finanzielles Aus

Nach Angaben Brandenburgers ist ein langfristiger Lieferanten-Kredit Ursache für das finanzielle Aus der als Aktiengesellschaft fungierenden Firma. Demnach habe man ab dem Jahr 2000 die Leitungen bei "einem internationalen Carrier" eingekauft, der Hauptlieferant und Betreiber der Zugangsnummern war. Vertraglich festgelegt war nach Brandenburgers Angaben ein Zahlungsziel von 30 Tagen, eingespielt habe sich aber ein Zahlungsziel von 4 Monaten. Das betreffe nicht nur die Bezahlung, sondern auch die Rechnungslegung. Unumwunden gibt der Geschäftsführer auch zu, dass dieses "Bestandteil der Finanzplanung der Firma wurde".

Schließlich musste man sich aber auf einen Rückbau dieses Kredites einigen. Das habe zur Folge gehabt, dass man sich von neun der elf Mitarbeiter habe trennen müssen und auch nicht mehr investieren konnte. Dadurch gab es erste Ausfälle, die wiederum einen "schleichenden Umsatzschwund" zur Folge hatten, so dass man letztendlich nicht aus dem Lieferantenkredit habe entkommen können.

Worldcom verliert einen Kunden nach dem anderen

Dieser Ablauf erinnert stark an das Aus der Comnet vor wenigen Wochen. Auch hier hatte der Anbieter Probleme mit seinem Lieferanten. In beiden Fällen handelt es sich ganz offenbar um den Carrier Worldcom. Und in beiden Fällen handelte es sich um langfristige, nicht vertraglich vereinbarte Zahlungsziele, die von Worldcom zurückgeschraubt wurden.

Sicher ist es legitim, dass ein Lieferant von seinen Kunden Geld für die erbrachte Leistung bekommen möchte. Doch Worldcom fährt diese Zahlungsziele offenbar derart stark zurück, dass die Kunden keine Chance mehr sehen und ihren Geschäftsbetrieb aufgeben müssen. Fraglich ist, ob Worldcom auf diese Art langfristig solvent bleibt, wenn die bisherigen Kunden zu großen Teilen insolvenz anmelden. Auf diesem Weg hat auch der Carrier irgendwann keine Geschäftsgrundlage mehr, auf der er seine Dienstleistungen anbieten kann.

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