Finanznot

Primacom-Aktie stürzt ab

Der Mainzer Kabelnetzbetreiber gerät immer mehr in Finanznot
Von dpa / Björn Brodersen
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Der hoch verschuldete Mainzer Kabelnetzbetreiber Primacom AG gerät immer mehr in Finanznot. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben in West- und Mitteldeutschland eine Million Kunden hat, gab am späten Montagabend bekannt, dass eine fällige Verlängerung eines Kredites von den Banken nicht erfolgt sei. Die Rückzahlung sei Primacom derzeit nicht möglich. Die zu den Hauptgläubigern zählende J.P. Morgan Chase Bank habe Primacom aber eine Verlängerung der Überziehungskreditlinie in Höhe von 15 Millionen Euro bis zum 19. September eingeräumt.

Die Aktie des Kabelinternet-Anbieters brach nach dieser Nachricht heute Morgen im Computerbörsenhandel Xetra zeitweise um 44,2 Prozent auf 2,27 Euro ein. Kurz danach setzte eine leichte Erholung des Börsenkurses ein. Primacom selbst erklärte, es werde weiter mit den Kreditgebern verhandelt, um eine Restrukturierung zu erreichen.

Experten der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatten im Februar 2005 den Schuldenberg von Primacom auf etwa eine Milliarde Euro beziffert. Für nachrangig gesicherte Kredite musste das Unternehmen nach eigenen Angaben in der Vergangenheit teilweise 20 Prozent Zinsen zahlen, was es als "sittenwidrig" ansieht. Ein Rechtsstreit darum läuft noch. Im vergangenen Jahr hatte Primacom einen Fehlbetrag von 118 Millionen Euro (2003: 113,5 Millionen Euro) eingefahren. Die Primacom-Gruppe hat nach Angaben vom August rund 830 Beschäftigte.

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