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Editorial: DSL zum Mitnehmen

Der Vorstoß von E-Plus
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Seit Jahren sind sie der Hoffnungsträger der Mobilfunkindustrie: mobile Datendienste. Diese sollen dafür sorgen, dass die Umsätze in einem ansonsten weitgehend gesättigten Markt weiter wachsen. Doch bis heute haben sich diese Hoffnungen nicht erfüllt. Trotz - oder wegen!? - hoher Kosten pro Kilobyte trägt der mobile Zugang zu Web und WAP nur wenige Prozent zum Gesamtumsatz bei. Der Löwenanteil der Einnahmen wird weiterhin durch Telefonie und SMS bestritten. Daran hat auch die Einführung von UMTS bisher nicht viel geändert.

Nun probiert es E-Plus erstmals in Deutschland mit einer weitgehend unbeschränkten Daten-Flatrate. Für knapp 40 Euro im Monat kann man diese zu einem E-Plus-Vertrag hinzubuchen, um dann von zu Hause oder von jedem anderen Ort in Deutschland (Netzversorgung vorausgesetzt) nach Herzenslust zu surfen. Kommt damit der Durchbruch des mobilen Online-Zugangs?

Keine Fallstricke

E-Plus verzichtet angenehmerweise auf die diversen Limitierungen der Konkurrenz. Wie bereits in einem früheren Editorial ausgeführt, stört bei o2 surf@home vor allem die Beschränkung auf zeitbasierte Abrechnung. Lange Online-Zeiten können dadurch sehr teuer werden. Vodafone Zuhause Web Volume droht mit horrenden Zusatzkosten, wenn man die örtlichen bzw. volumenmäßigen Beschränkungen (Zuhause-Zone mit ca. 1 bis 3 km² bzw. 5 Gigabyte im Monat) überschreitet. Im Gegensatz zu den heimbereich-basierten Tarifen ist das Angebot von E-Plus uneingeschränkt empfehlenswert, soweit nicht bei der Produktvorstellung doch noch unangenehme Vertragsdetails verlautbart werden.

Doch der Verzicht auf Einschränkungen birgt auch Risiken für E-Plus. Insbesondere droht, dass geschäftliche Datennutzer vom bisherigen Vielnutzer-Tarif (500 MB Volumen für 99,95 Euro monatlich) auf die nicht einmal halb so teure Flatrate umsteigen. Für E-Plus lohnt sich der Vorstoß daher nur, wenn sich mit diesem die Kundenzahlen vervielfachen lassen. Vermutlich ist das Angebot aus diesem Grund zunächst zeitlich limitiert. Doch könnte es passieren, dass sich die Privatkunden wegen der Testphase zurückhalten, und der Versuch scheitert. Denn die Investitionen für den Kunden, insbesondere für eine UMTS-Datenkarte, sind ja nicht ganz gering. Zwar erlaubt E-Plus auch den Zugang per GPRS, so dass viele herkömmliche Handys als Funkmodem für den Laptop verwendet werden könnten. Doch ist das Tempo dann alles andere als berauschend.

Kundengruppe gesucht

Aber auch mit UMTS eignet sich das neue Angebot noch nicht als allgemeiner DSL-Ersatz. Die Datenrate ist geringer, die Pingzeit deutlich höher. Zwar steht der "UMTS-Turbo" HSDPA vor der Tür, der viele dieser Probleme lösen soll. Doch ist mit dessen breiter Einführung inklusive Verfügbarkeit geeigneter Datenkarten nicht vor Ablauf des Testzeitraums von E-Plus zu rechnen. Damit verbleiben vor allem zwei spezifische Nutzergruppen, für die die Datenflatrate von E-Plus interessant ist: Solche Kunden, denen die Mobilität wichtiger ist als die Geschwindigkeit, und solche, die im nicht mit DSL versorgten Bereich wohnen.

Insofern ist fraglich, ob der Versuch von E-Plus klappen wird. Doch andererseits drängt die Zeit. WiMAX kommt mit Riesenschritten, und dürfte in vielen Fällen der datenzentrierten Nutzung besser geeignet sein als UMTS. Je früher die Netzbetreiber mit für den Heimbereich geeigneten Angeboten starten, desto höher ist der Marktanteil, den sie sich sichern können. Grundsätzlich ist die Zeit reif für den mobilen Datenzugang.

Übrigens ist die Nutzung von Voice over IP bei der Daten-Flatrate von E-Plus ausgenommen. Auch bei E-Plus hat man also Angst, sich durch allzugünstige Datentarife das gute Geschäft mit der Sprachtelefonie kaputtzumachen. Allerdings ist fraglich, ob E-Plus die Nutzung entsprechender Dienste auf Dauer verhindern kann. Wenn einschlägige Ports gesperrt werden, dann weichen Nutzer halt auf andere Ports oder Tunnel-Lösungen aus. Letztendlich führt das zu einem Katz-und-Maus-Spiel. Andererseits stellt sich die Frage, ob die VoIP-Sperre überhaupt notwendig ist: Der monatliche Durchschnittsumsatz (ARPU) eines E-Plus-Nutzers lag letztes Jahr bei 21 Euro. Flatratenutzer zahlen zusammen mit dem benötigten Basisvertrag auch ohne eine einzige Sprachminute mehr als das doppelte.

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