Backbone

Backbones - die leistungsstarken Hintergrundnetze

Was ist ein Backbone?
Von Julia Scholz

Serverschrank des N-IX Nürnberg An zentralen Austauschknoten, sogenannten Peering Points, laufen die Backbones der einzelnen Betreiber zusammen. Hier werden die Datenpakete in andere Netze geleitet. Die Netzbetreiber finanzieren und verwalten diese Transitpunkte gemeinsam. Da der Betrieb der Schnittstellen mit entsprechender Hardware und Wartung hohe Kosten verursacht, haben sich weltweit einige große öffentliche Knoten etabliert. Bevor 1995 in Frankfurt der zentrale Peering Point DeCIX in Deutschland eingerichtet wurde, mussten viele Daten, die nur zwischen deutschen Providernetzen ausgetauscht werden sollten, über Transatlantikleitungen in die USA und zurück geleitet werden. Damals war für einen Provider die eigene Anbindung in die Staaten wichtiger als viele nationale Peerings.

Da Kunden ihre Daten schnell durchs Netz senden wollen und jeder Punkt im Internet rasch erreicht werden soll, müsste es für die Carrier ein Anliegen sein, möglichst viele Schnittstellen zur Konkurrenz zu schaffen. So gibt es mittlerweile neben dem DeCIX in Frankfurt weitere große öffentliche Datenaustauschpunkte in Deutschland. Zu den wichtigsten gehört der B-CIX in Berlin, der HH-CIX und der INXS in Hamburg, der Ruhr-CIX [Link entfernt] in Essen, der N-IX in Nürnberg und der INXS MUC in München.

Das im Internet übliche Verfahren des Datenaustausches, das sogenannte Peering, erfolgt zwischen gleichrangigen Carriern gebührenfrei. Der Peering Point der kommerziellen deutschen Provider DE-CIX funktioniert nach diesem Prinzip. Die Telekom ist an diesem Datenaustauschpunkt allerdings nicht beteiligt. Neben den großen öffentlichen Peering Points gibt es auch private Austauschpunkte zwischen einzelnen Backbone-Betreibern. Bei einem Vertrag zwischen Carriern unterschiedlicher Reichweite und stark differierendem Datenaufkommen muss der kleinere (regionale) Carrier in aller Regel den Datentransit durch das Netz des Großen bezahlen.

Die Netzdichte bestimmt den Datenweg

Ganz ohne die Telekom ist der Internetzugang auch über Provider mit alternativem Backbone nicht möglich. Die letzte Meile von der Telefondose zur Vermittlungsstelle gehört immer noch der T-Com. Die Installationen von Millionen von Anschlussleitungen von den POPs bis zu den einzelnen Kunden rechnet sich für die ISP im Privatkundenbereich nicht und wird somit auch nicht angeboten. Wechselt der Kunde von der Telekom komplett zu einem anderen Anbieter, so mietet dieser in aller Regel den Anschluss bis zum Teilnehmer von der Telekom.

Die meisten Betreiber eigener IP-Plattformen übernehmen jedoch den Datenverkehr ihrer Kunden aus dem Nahbereichsnetz der Telekom. Die Übernahme des Traffic aus dem Netz der Telekom in den eigenen Backbone kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Die einfachere Variante für den Anbieter, mit den geringsten Investitionen in eine eigene Infrastruktur, erfolgt über eine zentrale Schnittstelle mit den Netz der Telekom. An diesem sogenannten Internet-Service-Provider-Gate (ISP-Gate) wird der Traffic in den eigenen Backbone geleitet und das über den anderen Netzbetreiber empfangene Datenvolumen abgerechnet. Alle Datenpakete des Kunden werden von der Telekom zunächst zum ISP-Gate getunnelt und dort erst in die entsprechenden Zielnetze verteilt.

Betreiber eigener flächendeckender Netze können den Traffic dagegen an allen regionalen Anschlusspunkten übernehmen. Diese für den Anbieter kompliziertere Art der Datenübertragung wird Zuführung des Onlineverkehrs von T-DSL-Nutzern für Internet-Service-Betreiber mit eigener Plattform (Z-ISP) genannt. Im Idealfalle hat der Provider in allen 74 Breitband-Vermittlungsstellen der Telekom einen DSL-Zugang zum eigenen Internet-Backbone installiert. Der Datentransfer kann auf direkterem Wege erfolgen. Die Pingzeiten sind bei Z-ISP im Schnitt kürzer, und die Gefahr der Leistungsüberlastung an dem zentralen Austauschpunkt wird vermieden. Das bieten natürlich nur die großen Betreiber mit einem weitflächigen eigenen Netz. Unter den von teltarif angefragten Betreibern trifft das nach Angabe der Unternehmen für die Netze von Telefónica, Arcor und Tiscali zu.

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