Hintergrund

Mobilfunk-Angebote: Warum 19 Cent nicht immer 19 Cent sind

Wie die Wettbewerber simyo begegnen
Von Thorsten Neuhetzki

Als der E-Plus-Ableger simyo Ende Mai auf den Markt kam, überraschte der Anbieter den Markt mit einem Rund-um-die-Uhr-in-alle-Netze-Preis von 19 Cent pro Minute. Dieser Minutenpreis war bis dato bei einer Prepaid-Karte gerade bei Gesprächen in fremde Mobilfunknetze unvorstellbar und stellte daher so etwas wie eine Marktrevolution dar. Ähnliches hatte zuvor schon Tchibo mit seinem Einheitspreis geschafft. Das allerdings war bereits im Oktober und der Tarif lag bei inzwischen vergleichsweise teuren 35 Cent pro Minute.

Nun versucht die Mobilfunk-Branche, dem Druck durch das neue simyo-Angebot Herr zu werden, bringt neue Tarife und wirbt ebenfalls mit einem Minutenpreis von 19 Cent. Doch der genaue Vergleich zeigt: 19 Cent sind nicht immer 19 Cent.

simyo: Kein Mindestumsatz aber 19 Cent in alle Netze

19 Cent pro Minute in alle deutschen Netze zu jeder Uhrzeit mit 60/1-Takt: Das ist die Vorgabe von simyo. Das Angebot ist für die Kunden dabei besonders transparent. Sie müssen sich lediglich auf simyo.de eine Rufnummer aussuchen und für einmalig 19,95 Euro die SIM-Karte kaufen. In diesem Betrag enthalten sind bereits 10 Euro Gesprächsguthaben, bis 10. Juli sind es sogar 15 Euro. Somit kostet die Karte 4,95 Euro. Alle sechs Monate muss der Kunde seine Karte neu aufladen. Dies ist ab einem Betrag von 10 Euro möglich, so dass es einen rechnerischen Mindestumsatz von 1,66 Euro, also etwa neun Minuten telefonieren monatlich, gibt. Zusätzlich bietet simyo noch einen SMS-Preis von 14 Cent an.

Deutlich höher ist da der Mindestumsatz für das neue, ab 1. Juli für Neukunden buchbare Angebot LOOP Alltime. Kunden, die jeden Monat 30 Euro auf das LOOP-Konto aufladen, können zu einem Minutenpreis von 19 Cent telefonieren. Das sind immerhin 158 Minuten monatlich, also mehr als zweieinhalb Stunden jeden Monat. Wer den Mindestumsatz nicht erfüllt, wird im Folgemonat auf einen Minutenpreis von 39 Cent umgestellt. Kunden, die regelmäßig so viel telefonieren, sind mit einem Vertrag jedoch deutlich besser bedient. Jüngstes Beispiel: Der 9,9 Cent-Tarif von mobilcom. Er kostet monatlich 19,80 Euro und beinhaltet 200 Freiminuten in alle Netze. Selbst wer einen Monat mal nur 60 Minuten telefoniert, erreicht immer noch einen Minutenpreis von 33 Cent. Je näher der Kunde an die Marke von 200 Minuten kommt, desto näher kommt der Kunde an den rechnerischen Preis von 9,9 Cent pro Minute. Dieser Preis liegt sogar unter dem für Gespräche aus dem Festnetz in die Handynetze.

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