Untersuchung

Breko: Letzte Meile im europäischen Vergleich zu teuer

Außerdem höchste Kündigungsentgelte in Deutschland
Von Marie-Anne Winter

Die derzeit geltenden Entgelte, die Wettbewerber bei der Anmietung der Teilnehmeranschlussleitung - der letzten Meile zum Kunden - einmalig an die Deutsche Telekom zahlen müssen, sind immer wieder Anlass zur Unzufriedenheit unter den Wettbewerbern. Die jüngste Ankündigung der Telekom, den Preis für die Anschluss-Schaltung zu erhöhen, führte ebenfalls zu neuer Kritik. Wie der Bundesverband der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften (Breko [Link entfernt] ) nun berichtet, liegen die Entgelte für die letzte Meile liegen um 53 Prozent über dem Durchschnitt in der EU. Dies ergibt sich aus einer Vergleichsmarktbetrachtung, die der Breko durchgeführt hat. Danach ist das Durchschnittsentgelt der unterschiedlichen Bereitstellungsvarianten von 76,76 Euro pro Schaltung in Deutschland gegenüber dem europäischen Mittelwert ("EU15") von 50,31 Euro am zweitteuersten. Der Durchschnitt der drei EU-Länder mit den niedrigsten Preisen beträgt danach nur 29,39 Euro - im Vergleich zu den Klassenbesten liegt Deutschland sogar rund 162 Prozent höher. Nur in Schweden kostet die Bereitstellung noch mehr als hierzulande.

Die Verteilung der unterschiedlichen Produktvarianten "mit Schaltarbeiten" (rund 70 Prozent) und "ohne Schaltarbeiten" (ca. 30 Prozent) wurden nach den Erfahrungen der Breko-Mitgliedsunternehmen ermittelt und sollen der Häufigkeit der Leistungen bei einem typischen deutschen Teilnehmernetzbetreiber entsprechen. Der sich ergebende Mittelwert von 76,76 Euro müsse laut Breko höher sein, als der im Jahresbericht der RegTP aufgeführte Durchschnittspreis (48,00 Euro), da dieser nur die günstigste Leistung der Telekom berücksichtige. Um eine wirklich verlässliche Vergleichsgrundlage zu erhalten, müssten aber die einzelnen Produktvarianten entsprechend der tatsächlichen Nachfrage gewichtet werden. Rechne man die umstrittenen Kündigungsentgelte noch hinzu, belege Deutschland mit 112,40 Euro sogar den traurigen Spitzenplatz - in keinem anderen Land müssten Wettbewerber mehr zahlen als bei uns.

Wettbewerbshindernis Kündigungsentgelt

"Kündigungsentgelte sind ein nicht hinnehmbares Wettbewerbshindernis", erklärt Breko-Präsident Peer Knauer. "Es ist nicht einzusehen, warum alternative Anbieter dem ehemaligen Monopolunternehmen Geld dafür zahlen sollen, wenn ein Kunde zu einem anderen Wettbewerber wechselt oder gar zur Telekom zurückkehrt." Der Verband fordert daher die Abschaffung dieser Strafgebühr, die auch von Zivilgerichten für den Energiesektor als unzulässig angesehen wird. Knauer weiter: "In anderen EU-Ländern, wie z.B. Dänemark, Österreich oder Portugal, sind solche, die alternativen Netzbetreiber diskriminierenden Entgelte völlig unbekannt.

Eine Absenkung der Entgelte sei aber auch wegen der jahrelangen Erfahrung der Telekom bei der Bereitstellung der letzten Meile dringend geboten, argumentiert der Verband. Sieben Jahre nach der Einführung des wichtigsten Vorleistungsproduktes im deutschen Telekommunikationsmarkt hätten inzwischen mehr als 2 Millionen vermieteter Teilnehmeranschlussleitungen, die Einführungen automatisierter Prozesse und die Zunahme von Fernkonfigurationen zu einer beachtlichen Lernkurve und erheblichen Skaleneffekten geführt. Verbandspräsident Knauer fordert daher: "Die gestiegene Effizienz der Telekom, die in reduzierten Mitarbeiterzahlen und niedrigeren Kosten deutlich wird, muss auch den Wettbewerbern zu Gute kommen. Es geht nicht an, dass sich der Ex-Monopolist im Hinblick auf seine Aktionäre auf durchgeführte, massive Effizienzsteigerungen beruft und sich gegenüber der Regulierungsbehörde als ineffizientestes TK-Unternehmen Europas darstellt."