Panne

Notruf per VoIP vor dem Start

USA: Kindstod nach gescheitertem VoIP-Notruf
Von Björn Brodersen

Wie wichtig ein solches Leistungsmerkmal für VoIP-Anschlüsse und eine schnelle und einfache Bedienbarkeit ist, zeigt ein Beispiel aus den USA. Dort scheiterte ein Notruf an die Notrufnummer 911 per VoIP, ein Mädchen starb durch die zunächst ausbleibenden Rettungskräfte an einem Atemstillstand. Grund für die Panne: Die Mutter des Mädchens, eine Kundin des Telekommunikationsanbieters Vonage, hatte zuvor nicht die Notruffunktion für ihren VoIP-Anschluss aktiviert. Anders als bei dem geplanten sipgate-Dienst müssen die Vonage-Kunden dies selbsttätig vornehmen. Jetzt macht sie den Anbieter für den Tod ihrer Tochter verantwortlich, weil Vonage sie vor Vertragsschluss nicht deutlich genug auf das Problem der nicht funktionierenden Notrufnummern hingewiesen habe.

Jetzt fordert die amerikanische Aufsichtsbehörde für die Telekommunikation (FCC) von den VoIP-Anbietern, innerhalb von 120 Tagen sicherzustellen, dass die 911 immer erreichbar und der Aufenthaltsort sowie die Rufnummer des Hilfebedürftigen festzustellen sind. Zukünftig sollen standardmäßig alle über das Internet-Protokoll abgesetzten Notrufe an die örtliche Notrufstelle weitergeleitet werden. Die Nutzer müssen laut den Vorgaben außerdem die Möglichkeit erhalten, die Informationen über ihren jeweiligen Standortwechsel zu aktualisieren. Später soll es sogar möglich sein, den jeweiligen Standort des Notrufenden automatisch zu erkennen, ohne dass dieser zuvor angegeben werden muss. Dann soll ein Notruf durch ein besonderes Routing der Einwahl und eine entsprechende Infrastruktur die jeweils nächste Verteilerebene und die zuständige Polizeidienststelle erreichen.

Noch keine gesetzlichen Regelungen in Deutschland

In Deutschland ist eine solche Notruffunktion bislang vom Gesetzgeber noch nicht vorgeschrieben. "Es gelten noch keine Vorgaben für VoIP-Anbieter", bestätigte uns RegTP-Pressesprecher Rudolf Boll. Allerdings arbeite zurzeit das Wirtschaftsministerium an einer Notrufverordnung. Noch kann in der Regel jedermann einen Notruf über einen herkömmlichen Telefonanschluss absetzen. Die Notruf-Lösung von sipgate wird zunächst nicht für die nomadische Nutzung ausgelegt sein. Der Notruf eines Kunden aus Düsseldorf, der mit seinem Laptop über einen Hotspot am Hamburger Flughafen einen Hilferuf absetzt, landet trotzdem bei der entsprechenden Notrufstelle in Düsseldorf.

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